Leserbriefe

Islam und Christentum

28.07.2007, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Raul Guerreiro, Nürtingen. Zum Artikel Das Wertesystem verschiebt sich vom 27. Juni. Es ist erstaunlich, wie scheinbar kultivierte Persönlichkeiten Unwahrheiten unter uns verbreiten. Statistische Projektionen einer vermutlichen islamischen Überschwemmung Europas sind bekanntlich unzuverlässig. Denn in allen Wechselbeziehungen zwischen unterschiedlichen sozialen Gruppen, wie es von Soziologen attestiert wird, werden die Menschen immer durch die Grunddenkweise der Empfangsgesellschaft tief beeinflusst und, besonders wenn ihr Lebensstandard erhöht wird, beginnen weniger Kinder zu bekommen. Muslime leiden außerdem an ewigen internen Streitereien und werden immer unfähiger, ihre Interessen in der öffentlichen Arena kollektiv zu verteidigen. So gibt es keine erfolgreiche paneuropäische islamische Organisation, weil Moslems von dem lokalen politischen Prozess de jure ausgeschlossen sind und ihre immer schwächere Religiosität nicht zu einer politischen Mobilisation dient. Auch halten unsere demokratischen Gesetze jeden Versuch von Totalitarismus zurück. Sogenannte europäische Muslime sind also lediglich eine neue gesellschaftliche Interessensgruppe und werden sich dessen immer bewusster, dass sie hier eine Religionsminderheit sind und sich in den Rahmen der westlichen Demokratie finden müssen. Fassaden-Christen unter uns versuchen jedoch, um ihren ideologischen Zweck zu erreichen, die Unterschiede zwischen Europa und Diaspora-Islam auszunützen und sabotieren damit eine soziale Verständigung auf der Basis universeller Menschenwerte.

Seit der Einführung der naturwissenschaftlichen Erkenntnisweise erlebt unserer Zivilisation zwei radikale Veränderungen: (1) Blutsverwandte Lebensorganisationen, die über Jahrtausende die einzelne Art des Miteinanderseins waren, lösen sich immer schneller auf; (2) Somit wurde der moderne Individualismus und das Ich-Gefühl als neues Bewusstseinsstadium geboren. Einige Menschen begannen jedoch eine materialistische Denkweise abgöttisch zu lieben und zu propagieren, sodass die Vorstellung eines Gottes als Grundlage alles Existierenden, oder eines Seelenlebens, wo eine Religion eine Rolle spielt, immer häufiger in den Papierkorb geworfen wird. Kein Wunder daher, dass unsere Kirchen leer sind und eine christliche Kultur nur als Restreligion besteht.

Was wir heute mit Extremisten des Islam erleben, kommt auch daher, dass der Mensch des Islam sehr lange an die Pforte des Christentums geklopft hat, in der unbewussten Suche nach dem Prinzip der Liebe. Die Zeit ist aber reif für eine neue christifizierte Lebenspraxis, wobei der Islam von einer neuen Christosophie die Pflege einer individuellen geistigen Freiheit lernen kann.

Leserbriefe

Manchmal macht googeln schlauer

Sem Schade, Wendlingen. Zu den Leserbriefen „Der deutsche Weg zum Klimaschutz“, und „Blauäugig oder einfach böse?“ sowie „Boris Palmer ist für mich kein Rassist“ vom 18. Mai. Man kann sich ja über den Konzern Google streiten, in puncto Recherche ist er aber unser Freund. Man kann sich in…

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