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Inzidenzweltmeister statt Impfweltmeister?

13.11.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Thomas Stöckle, Neckartenzlingen.

In Israel stieg die Inzidenz Mitte August auf über 300. Über 50 Prozent der mit schweren Verläufen im Krankenhaus liegenden Patienten waren doppelt geimpft. Ein Anteil, der von den Medien allerdings als statistischer Effekt „entlarvt“ wurde, der, im Gegenteil, die Schutzwirkung der Impfung aufs Vorzüglichste bestätigen würde.

Laut RKI-Wochenbericht beträgt der Anteil der Geimpften in Deutschland in den Krankenhäusern bei den über 60-Jährigen derzeit 44,9 Prozent (Intensivpatienten: 34,5 Prozent), und auch hierzulande wird, wie damals in Israel, dies von Politikern und Medien als Folge einer „Pandemie der Ungeimpften“ erklärt. Nicht, allerdings, ohne gleichzeitig vehement die Auffrischungsimpfung der bereits Geimpften zu fordern. Wer darin einen Widerspruch sieht, darf sich getrost zur Gruppe der rational denkenden Menschen rechnen.

In Israel wird seit dem 1. Oktober jeder Geimpfte, dessen zweite Impfung länger als sechs Monate zurückliegt, den Ungeimpften gleichgestellt und es bedarf keiner großen Fantasie um vorauszusagen, dass dies auch in Deutschland so kommen wird.

Die derzeitige Unterscheidung in ungetestete Geimpfte oder Genesene auf der einen und Ungeimpfte auf der anderen Seite ist offensichtlich, emotionslos betrachtet, eine völlig ungeeignete Maßnahme, um das Infektionsgeschehen einzudämmen. Ebenso wenig wie von den Ungeimpften bei Überschreitung gewisser Schwellenwerte statt eines Antigen-Schnelltests einen fünfmal so teuren PCR-Test zu fordern. Dass diese kreative Idee von keinem Pressevertreter auch nur im Mindesten kritisch hinterfragt wurde, sagt wenig bis nichts über die Zuverlässigkeit von Antigen-Schnelltests aus, aber sehr viel über den Zustand unserer Medien.

Priorität hat ganz augenfällig nicht die Bekämpfung der Pandemie, sondern die Absicht, möglichst viele Impfdosen an den Mann, die Frau oder das Kind zu bringen und man kann es niemandem verübeln, wenn er zu dem Schluss kommen sollte, dass hier die berechtigten Forderungen der verantwortlichen Entscheidungsträger an den Schutz der Bevölkerung und die Interessen der Pharmaindustrie eine von außen nicht mehr durchschaubare Allianz eingegangen sind.

Um das Vertrauen der noch nicht geimpften Bevölkerung zurückzugewinnen, wäre es meines Erachtens dringend geboten, dass die Politiker ihre Forderungen und Maßnahmen in Zukunft logisch und klar begründen und – vor allem – unsere (ich gebe mich der Illusion hin: weitgehend unabhängigen) Medienvertreter diese Maßnahmen dann auch kritisch begleiten, Widersprüche aufdecken und die Motivation der Handelnden hinterfragen.

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