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Hölderlinhaus: fragwürdig und teuer

11.07.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Karl Kohler, NT-Oberensingen. Das Hölderlinhaus bleibt Hölderlinhaus und darf nicht zu Nürtingens Fall „Stuttgart 21“ werden. Nach mehr als zwei Jahren Planungszeit stellt sich mir immer mehr die Frage, warum man bei der Mehrfachbeauftragung Anfang 2018 gerade das Büro ausgewählt hat, das die radikale Entkernung des Gebäudes plante. Will man den Abriss und den Neubau, den man bei der ersten Planung 2007 wegen der Proteste aus der Bevölkerung nicht realisieren konnte, nun doch erreichen? Die anderen Bewerber haben einen schonenderen Umgang mit der historisch wertvollen Bausubstanz vorgeschlagen.

Als Bürger mit jahrelanger Berufserfahrung in der Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden habe ich bereits Ende 2019 Oberbürgermeister Fridrich schriftlich auf die vorhersehbare Problematik bei den aktuellen Planungen zum Hölderlinhaus im Bereich des Aufzugsschachts hingewiesen. Eine Antwort darauf habe ich nicht erhalten.

Am 25. Juni konnte ich Pläne des Tragwerkplaners bei der GWN einsehen. Bei dieser Planeinsicht stellte ich mit großen Erstaunen fest, dass konstruktive Vorgaben gemacht wurden, die planerisch aufwendig sind, enorme Kosten verursachen und deren Realisierbarkeit fragwürdig ist. Die Planungen zum Aufzugsschacht, die Maßnahmen zur Sicherung der restlichen historischen Fachwerkwände und der horizontalen Verspannung des Gewölbekellers sind bautechnisch und wirtschaftlich so nicht vertretbar. Wenn diese Planung realisiert werden sollte, ist das teures Flickwerk, das zum Abriss des gesamten Gebäudes führen kann. Ursprünglich sollte ein „Holzbaukörper“ in das entkernte Gebäude „eingeschoben“ werden, nun plant man Tonnen von Stahl und Beton zu verbauen, die teilweise, weil sie allein der Sicherung der Wände in der Neckarsteige dienen, wieder abgerissen werden müssen und auf dem Schrottplatz und der Deponie landen wie das übrige historische Gebäude. Nachhaltigkeit geht anders: Sanierung im Bestand mit Einhaltung der Stadtbildsatzung. Noch ist es nicht zu spät!

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