Schwerpunkte

Leserbriefe

Hinterher ist man oft selbst klüger

22.01.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hartmut Gerhardt, Wolfschlugen. Zum Kommentar „Blindflug“ vom 16. Januar. Wem ist es noch nicht passiert: Eine Entscheidung im privaten Bereich muss möglichst schnell gefällt werden. Und dann ergeben sich später neue Einsichten, Fakten, die die ganze Sache jetzt in klarem Licht erscheinen lassen. Nun macht man sich selbst den Vorwurf: „Ach, hätte ich doch vorher . . . !“ So ähnlich erleben noch heute viele Politiker, Wissenschaftler und auch wir in unserem Alltag die Entscheidungen und deren Auswirkungen während der Corona-Pandemie.

Vergleichbar drückt es auch Nikolai Forstbauer in seinem Kommentar aus. Allerdings sind die zahlreichen Terminsetzungen der Regierungen in Bund und Ländern nicht so sehr „Augenwischerei“, wie Forstbauer schreibt. Sie drücken eher das Bestreben der Regierenden aus, der Bevölkerung in der aktuellen, schwierigen Lage nach bestem Wissen und Gewissen zumindest Hoffnung auf Lockerungen zu machen – auch wenn diese sich, häufig durch unverantwortliches, rücksichtsloses Handeln recht vieler Einzelner, dann wieder wegen steigender Infektionszahlen in nichts auflösen.

Richtig: „Corona verlangt neue Wissensweiten, neue Denkweiten“, schreibt Forstbauer. Denn die Kenntnislage zur Pandemie ist leider noch recht unvollständig. Sie erfordert weitere Zeit, Monate, vielleicht noch ein Jahr oder mehrere, um weitestgehende Sicherheit zum Beispiel über Ansteckungsgefahren, zum Beispiel auch durch bereits Geimpfte, zu gewinnen. Weiter müssen wir für die Zukunft die Realität anerkennen, dass die Weltbevölkerung weiter ansteigt. Damit nimmt der Abstand Mensch–Tier weiter ab. Somit haben es Tausende von Viren, die in Tieren leben ohne ihnen zu schaden, leichter, auf den Menschen überzuspringen.

Leserbriefe