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Hennrich wird seinen Wählern untreu

30.07.2022 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Andreas Böttigheimer, Neuffen. Zum Artikel „Michael Hennrich wechselt zum Verband der Arzneimittelhersteller“ vom 23. Juli.

So geht man mit dem Vertrauen der Wähler um. „Politik wird für die Menschen gemacht. Deshalb ist mir der Dialog mit ihnen sehr wichtig.“ – „Politik mache ich mit Leidenschaft für die Menschen und mit den Menschen meines Wahlkreises.“: Dies sind zwei Zitate auf der Internetseite von Michael Hennrich, dem CDU-Bundestagsabgeordneten für den Wahlkreis Nürtingen. Wer solche Aussagen trifft, muss sich auch daran messen lassen. Michael Hennrich wurde mit 30,02 Prozent der abgegebenen Stimmen als CDU-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Nürtingen wiedergewählt. Diese Wiederwahl gilt für eine Wahlperiode von vier Jahren. Nicht einmal ein Jahr nach der Wiederwahl erklärt Michael Hennrich nun, dass er das Bundestagsmandat im Frühjahr 2023 niederlegen und als Geschäftsführer beim Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) eine neue Aufgabe beginnen wird, die vermutlich finanziell lukrativer ist.

Er wird dadurch nicht nur seinen Wählern untreu, sondern er gibt zugleich das CDU-Mandat für den Wahlkreis Nürtingen auf, da sein Nachfolger aus Heidelberg kommt. Das scheint der Dank für das ihm geschenkte Vertrauen zu sein. Herr Hennrich ist langjähriges Mitglied im Gesundheitsausschuss. Das ist wohl das ideale Sprungbrett, um eine Karriere als Lobbyist im BAH anzustreben. Bleibt die Frage, ob es nun eine Politik im Interesse der Menschen oder im Interesse der Arzneimittelhersteller war, die ihm diese Chance ermöglichte. Wie kann ein vom Volk gewählter und bezahlter Politiker sein Amt einfach niederlegen und ohne Sperrfrist als Lobbyist im gleichen Fachgebiet tätig werden? Aus der Ärztezeitung vom 22. Juli 2022 möchte ich noch folgendes Zitat anfügen: „Der BAH-Vorsitzende Jörg Wieczorek nannte die Berufung einen großartigen Tag für den BAH“. „Mit Herrn Hennrich gewinnen wir eine einzigartige Kompetenz im Arzneimittelbereich“, so Wieczorek. Worauf bezieht sich denn diese Kompetenz, Herr Hennrich ist doch studierter Jurist?

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