Leserbriefe

Glaube darf nicht vor der Vernunft stehen

05.01.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Reinhardt, Neckartenzlingen. Zu den Leserbriefen „Klimaprognosen sind reine Theorie“ und „Homosexualität und der Wille Gottes“ vom 15. Dezember. Da bestreitet doch tatsächlich jemand die Existenz des menschengemachten Klimawandels. Nun gut, jeder kann glauben, was er will. Und es stimmt ja, dass der Einzelne den stattfindenden Klimawandel nicht selber nachweisen kann – also muss er den Veröffentlichungen, die ihn erreichen, glauben – oder eben nicht. Nur gehört schon ein sehr dickes Fell dazu, den Meldungen, die das Ansteigen des Meeresspiegels, das Abschmelzen der Gletscher, die zunehmenden Extremwetterlagen berichten einfach nicht zu glauben. Kritisch aber wird es, wenn jemand die Leugnung in einem Ton vorträgt, der höchste Selbstverständlichkeit suggeriert. Denn dieser Ton der höchsten Gewissheit, auch bei höchst fragwürdigen Aussagen, der ist verdammt gefährlich.

Viele Menschen glauben gerne das, was ihnen in diesem Ton vorgetragen wird – auch die größten Unwahrheiten. Trump lebt schier davon, Putin auch – und Hitler war ein Meister darin. Damit kann man Unwahrheiten leider verdammt gut verkaufen. Diesen Missbrauch der Sprache benutzt auch ein Leserbriefschreiber unmittelbar davor, wenn er im Ton der Überzeugung die Bibel zum Thema Homo-Ehe zitiert. Es stimmt, dass im Alten Testament die Homo-Ehe verurteilt wird, bei Moses. Aber an der zitierten Stelle steht dann auch, dass man die Ertappten töten solle. Ebenso wie kurz nach den Zehn Geboten geschrieben steht, dass man Hexen töten muss. Wer also von „Gottes Wort“ redet und damit argumentiert, der darf auch diese problematischen Stellen, klare Gebote, nicht verschweigen. Da geht es nicht nur um die Segnung oder eben Nichtsegnung von Homo-Ehen, sondern um Morde im Namen der Bibel; Gottes? Wer das unterdrückt, benutzt unredliche Waffen, missbraucht den Glauben.

Beide uns zugänglichen „Heiligen Schriften“, die Bibel und der Koran, beherbergen eine überaus große Zahl von wunderbaren Aussagen, keine Frage – aber sie enthalten eben auch problematische Abschnitte. Der Mord des Elias an den konkurrierenden Priestern des Baal kann auch nicht als ein noch heute gültiges Gebot Gottes durchgehen. Man darf, vielleicht sollte man ja auch die „Heiligen Schriften“ selektiv lesen und mit Vernunft und Humanität auswählen, was heute noch gelten kann. Vielleicht sollte der Glaube nicht vor der Vernunft, dem Gewissen stehen, sondern dahinter? Das geschieht ja in der Praxis vielfach. Vielleicht hat sich der Schreiber des Alten Testaments ja nur verhört – vor vielen, vielen Hundert Jahren.

Leserbriefe

Die USA und der Strafgerichtshof

Hartmut Schewe, Aichtal-Neuenhaus. Zu den Artikeln „USA drohen Richtern mit Einreisesperren“ und „Bundeswehr in Syrien“ vom 11. September. Dass Richter und Strafverfolgungsbehörden von Drogenkartellen, Mafiosi und in Bananenrepubliken bedroht werden, ist nichts Neues. Völlig neu ist jedoch…

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