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Gewerbegebiet Weidach: unsäglich

31.12.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Dr. Volker Hoffmann, Neckartenzlingen, BUND-Ortsgruppe Neckartenzlingen und Umgebung. Solange ich mich erinnern kann, ist das Gebiet Weidach – Wiesen gegenüber „Adler“ – im Flächennutzungsplan als künftiges Gewerbegebiet ausgewiesen. Stets war es umstritten und bis Anfang Dezember war es von konkreten Plänen verschont. Dann beschloss der Gemeinderat, eine Kommunalentwicklungsgesellschaft mit der konkreten Planung zu beauftragen. Das kam eigentlich unerwartet, denn im Juni 2019 wurde noch beschlossen, eine Wirtschaftlichkeitsprüfung durchführen zu lassen und die Verkaufsbereitschaft der Eigentümer zu ermitteln.

Davon war jetzt nicht mehr die Rede, ebenso wenig wie von der Umweltverträglichkeitsprüfung, die offenbar vor Jahren vorgelegt wurde. Eine inhaltliche Diskussion, ob das Vorhaben heute noch zeitgemäß ist, fand nicht statt. Hochwasserschutz wurde in früheren Jahren als Eindeichung der Erms verstanden, die man mit dem Gewerbegebiet gleich mitgeliefert bekäme. Inzwischen weiß man genau, dass das falsch ist, wird doch das Hochwasser einfach zu den Unterliegern weitergeschickt. Heutzutage soll man Überschwemmungsflächen erhalten oder gar erweitern.

Als Bürger weiß man so gut wie nichts über den Stand der Vorprüfungen, wie zum Beispiel die Eignung des Baugrunds und den Stand des Grundwassers, die Umweltverträglichkeitsprüfung, und ob die Ergebnisse denn noch aktuell sind, welche Ausgleichsmaßnahmen erforderlich wären, und ob diese dann auch realisierbar sind. Eine hinreichende Bürgerinformation hat aktuell nicht mehr stattgefunden. Bei früheren Anlässen war das Ergebnis aber immer, vorläufig nicht konkret zu planen. Dafür gab es wohl Gründe. Was auch ein schlecht informierter Bürger sofort erkennen kann: kommt das Gewerbegebiet, dann ist von der Ermstalbrücke bis nach Metzingen nur noch bebautes Gebiet und keine freie Erms-Aue mehr übrig, denn Bempflingen hat sein Baugebiet Obere Au bis Riederich auch gerade beschlossen. Landschaftlich ein Frevel, der nicht nur die Graureiher und die Schüler aus Bempflingen verstört.

Alle Welt spricht von der Zukunft, die große Umwälzungen bringen wird, Digitalisierung, Globalisierung, Klimawandel und seine Verlangsamung, Umstellung der Wirtschaft auf Nachhaltigkeit, Artensterben und speziell bei uns Insektensterben, dem der Schwund der Blühpflanzen vorausgeht und dem das Verschwinden der Vögel folgt. Man ist sich einig, dass ein Leben wie vor der Corona-Pandemie in vielen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft nicht mehr zurückkommt. Kann man da einfach neue Gewerbe- und Baugebiete erschließen, nur weil man das früher einmal so beschlossen hat, ohne noch einmal neu darüber nachzudenken? Und ohne die Bürger an dieser notwendigen Diskussion zu beteiligen?

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