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Gastronomie: Einfach nicht systemrelevant

28.11.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Martina Veit, Nürtingen. Montag, 23. November, um die Mittagszeit. Gruppen von älteren Schülern eines Gymnasiums am Lerchenberg kommen aus ihrer Mittagspause bei Aldi, Netto und Co. zurück. Masken? Nö! Abstand? Nö! Verständlich, könnte man sagen. Den ganzen Tag mit Maske im Unterricht, das muss doch erlaubt sein! Ja, vielleicht.

Und wir? Füllen liebevoll zubereitete Gerichte in Wegwerfbehälter, schenken Heißgetränke jedweder Art in Wegwerfbechern aus, wünschen den lokalen Händlern ein erfolgreiches Weihnachtsgeschäft und stehen am Spielfeldrand wie dicke Kinder, die niemand beim Spielen dabeihaben will. Nicht systemrelevant! Was wollt ihr denn, ihr werdet doch entschädigt! 75 Prozent, da kann man sich ja wohl nicht beschweren! Da saniert sich doch so manch einer, der wahrscheinlich eh nicht so viel Umsatz gemacht hätte im November.

Um eine Sache klarzustellen: Wir sind Gastgeber und wir leben unseren Beruf. Generationen von Hoteliers und Gastronomen haben Betriebe über Jahrzehnte mit viel Engagement aufgebaut und jetzt haben sie Berufsverbot. Kreative Köpfe, deren großer Traum der eigene Betrieb war, um die eigenen Ideen auszuprobieren, Berufsverbot. Kneipenbesitzer, Cafébetreiber, die ein zweites Wohnzimmer für ihre Gäste bereithalten, Berufsverbot. Wir werden die Hilfsgelder annehmen, weil wir unsere Betriebe weiterführen möchten, die wir aufgebaut haben und seit Jahren und Jahrzehnten betreiben, aber wir wollen es nicht. Wir wollen Gastgeber sein, jeden Tag! Also räumen wir unsere Hygienekonzepte in die Schublade, stellen Luftfilter, UV-Filter, Plexiglaswände und so weiter in die Ecke, all diese Dinge, die – wie man uns glauben machte – helfen würden, durch den Corona-Winter zu kommen.

Lag es an uns, waren wir zu nachlässig, haben nicht genügend aufgepasst? Nein, waren wir nicht! Und unsere Gäste auch nicht! Wir sind einfach nur nicht systemrelevant.

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