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Leserbriefe

Ganztagsbetreuung in der Praxis

22.12.2012 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Rolf Löffler, Köngen. Zum Artikel „Deutschland gehen die Mütter aus“ vom 18. Dezember. Alle möglichen Anstrengungen unserer Politiker gehen an einer Erhebung vorbei, wonach in Deutschland Frauen nur 1,39 Kinder bekommen. Rainer Wehaus provoziert in seinem Kommentar: „Die Politik ruft zwar: Kinder erwünscht. Aber wozu?“ Ich beteilige mich nicht an den Diskussionen, ob es „Rabeneltern“ sind, wenn sie ihre Kinder schon früh in die Kitas abgeben. Es gibt nun mal Zwänge, in denen beide Elternteile arbeiten müssen, nicht nur dem Teuro geschuldet. Auch das unsägliche Thema „Herdprämie“ geht mir in die falsche Richtung. Das Betreuungsgeld nur abzulehnen, weil dieses nicht dem Kind zugutekommen könnte, erinnert mich beispielsweise an die zweckentfremdete Verwendung von Abgaben der Autofahrer zum Stopfen der Haushaltslöcher. Manchmal habe ich den Eindruck, dass Politikerinnen die Kleinkinder geradezu in die Kitas nötigen, um ihre parteiliche Machtposition auszuleben. Wobei die Pflicht für ausreichende Kita-Plätze bis Mitte nächsten Jahres ein skandalöser Flop sein wird.

Die „reichen“ Bundespolitiker haben größtenteils zu Hause ihre privaten, eigenen Tagesmütter und leben somit basisfern von den Eltern. Exemplarisch nenne ich hier die Ministerinnen Schröder und von der Leyen. Der Kern meines Leserbriefs zielt dahin, dass man sich als Eltern wirklich tiefgründige Gedanken machen sollte, sein Kind schon in Kitas in sogenannte ganztägige Fremderziehung zu geben. Erzieherinnen müssen dort individuelle Zuwendung mehreren Kindern zukommen lassen – und sind nicht Mama und Papa.

Bekannte Grundschullehrer haben mir unabhängig voneinander berichtet, dass sie schon nach ein bis zwei Wochen nach der Einschulung feststellen, welche Kinder im Elternhaus aufgewachsen sind und welche in „Stätten“. Die im Elternhaus aufgewachsenen sind in der Regel ausgeglichener, aufgeweckter und zugänglicher; die Heimkinder oft aggressiv und aufmüpfig, gebrauchen ihre Ellenbogen und sind verschlossener. Es wäre schade, wenn man in den Kitas, sicher ungewollt, den Weg für die „Spezies der brutalisierten Kinder“ schon im Kleinkindalter ebnet. Bereits in ganz jungen Jahren geht es los mit dem Streiten, Prügeln und Mobben. Schon da zeichnet sich ab, wer Rädelsführer, Mitläufer, Trittbrettfahrer, Unterdrückter oder Kuscher ist.

Aus eigener Erfahrung erzählen die Kinder aus Kindergarten und Schule zu Hause weniger, was sie gelernt haben. Vielmehr geht es darum, wer wen geschlagen hat und Ähnliches. Schlagen mit Eisenstangen und strangulieren mit dem Hüpfseil gibt es schon im Kindergarten. In den Schulbussen werden den Erstklässlern die Schulranzen geöffnet und nach Kleingeld durchsucht mit der Einschüchterung: „Klappe halten, sonst . . .“. Neuste Mode, aufmüpfige Erstklässler in eine Restmülltonne zu stecken. So gibt es Dutzende Beispiele von Übergriffen. Letztendlich bleibt es den Eltern überlassen, ob sie ihr Kind und ab welchem Zeitpunkt in Ganztagsbetreuung geben.

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