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Fluglärm: Warum wird der Traum nicht wahr?

19.11.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Dietmar Mitterfellner, Wolfschlugen. Zum Artikel „Weniger Entlastung für Lärmgeplagte“ vom 10. November.

Die Übergabe der 15 022 Unterschriften von der Bürgerinitiative „Vereint gegen Fluglärm“ in Stuttgart gegen die geplante zusätzliche Abflugroute beschäftigte mich bis in die Nacht und bescherten mir den folgenden schönen Traum: Ministerpräsident Winfried Kretschmann kam doch noch und kündigte an, die Landesregierung als Mehrheitseigner der Betreiber-Gesellschaft Flughafen Stuttgart werde sich für eine sofortige und nachhaltige Reduzierung der Fluggastzahlen und Starts um 50 Prozent einsetzen, da sonst die Klimaziele von Paris nicht zu erreichen wären. Auch Verkehrsminister Hermann eilte hinzu und teilte mit, die Verhandler der Ampel-Koalition hätten sich darauf geeinigt, innerdeutsche und generell Flüge unter 1000 Kilometer zu unterbinden, ebenso das Ende steuerlicher Subventionierung des Flugbenzins sowie Billigflugangebote unterhalb der künftig einzupreisenden Umweltkosten.

Christian Lindner begrüßte ausdrücklich die von MP Kretschmann und VM Hermann angekündigten Ziele. Als künftiger oberster Klimaschützer kündigte er die sofortige Einführung eines Tempolimits 130 Kilometer pro Stunde und die Abkehr vom Individual- hin zum Schienenverkehr als neues Ziel einer grüneren FDP an.

Herr Bolay als Vorsitzender der Fluglärmkommission hat noch am gleichen Tag seinen Rücktritt aus der Fluglärmkommission angekündigt und vollzogen. Er habe zu spät erkannt, dass er als Vertreter der begünstigten Gemeinde Ostfildern aufgrund von Interessenkonflikten die erforderliche neutrale Position nicht wahren könne und sieht zudem die Notwendigkeit, die Arbeitsgruppe zum Lärmgutachten neutral zu besetzen. Die für Lärmschutz zuständige Staatssekretärin Elke Zimmer will sich für eine neue Fluglärmkommission einsetzen. Alle Protokolle müssten künftig veröffentlicht und die betroffenen Kommunen mit Stimmrecht in die Kommission aufgenommen werden. Angesichts der künftig um 50 Prozent reduzierten Flüge haben die Bürgermeister der bisher vermeintlich entlasteten Kommunen die Sinnhaftigkeit einer zusätzlichen Flugroute in Frage gestellt. Doch ich wache auf, immer noch staunend über die glücklichen Auflösungen unserer Probleme, bin etwas desorientiert und ärgere mich über den wahnsinnigen Lärm unseres Staubsaugers morgens um 6 Uhr im Schlafzimmer. Ich raunze meine neben mir schlummernde Frau an, was das denn soll. Sie erklärt mir liebevoll, ich habe mal wieder das Schlafzimmerfenster geöffnet gelassen und das gehe halt bei dem neuen Fluglärm nicht. Ende eines schönen Traums?

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