Leserbriefe

Flüchtlingen einen Bärendienst erwiesen

12.10.2019 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Christel Stumpp, Neckartailfingen. Zum Artikel „Diskussion um altes Schulhaus“ vom 28. September. Es reicht. Nachdem Anfang des Jahres über die Kündigung einer Sozialwohnung seitens der Gemeinde Neckartailfingen wegen Unterbringung von Flüchtlingen ein sehr einseitiger halbseitiger Artikel „Die Wohnung nach 24 Jahren gekündigt“ in der NZ zu lesen war, der dann landauf, landab verbreitet und von rechtsextremen Medien ausgeschlachtet wurde, mit all seinen erschreckenden grusligen Folgen, ist es leider noch nicht genug.

Im August dann ein groß aufgemachter Artikel unter der Überschrift „Security soll Mitarbeiter beschützen“. Eine Vorsichtsmaßnahme der Gemeindeverwaltung, weil ein Flüchtling Monate zuvor eine Mitarbeiterin der Gemeinde bedroht hatte. Es bestand keine Gefahr mehr, der Sicherheitsdienst zog nach ein paar Tagen wieder ab. Aber seine Wirkung verfehlte er nicht. Letzte Woche ein halbseitiger reißerischer Bericht „Unterschriften gegen Unterbringung – in Neckartailfingen ist der Widerstand gegen Flüchtlingsunterbringung groß“. Am nächsten Tag die Mitteilung, dass der Inhalt eines Briefs, der von Bürgern an Bürgermeister und Gemeinderat geschrieben wurde, nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen wäre. Dieser Inhalt war aber der Hintergrund der Veröffentlichung.

Die Unterschriftenliste sehr moderat formuliert, zwischen den Zeilen sind leider viele Ängste und Vorbehalte gegenüber Flüchtlingen zu lesen. Tatsächlich muss Neckartailfingen keine zusätzliche Flüchtlinge aufnehmen, sondern seine Quote erfüllen, berechnet entsprechend der Einwohnerzahl und geringfügig der Fläche, wie andere Gemeinden auch. Dezentral – um sie besser integrieren zu können – sollen sie unterkommen . . . und jetzt das.

Wichtig zu wissen, für die Unterbringung bekommt die Gemeinde finanzielle Unterstützung von Bund und Land. In dem Haus in der Tübinger Straße wohnen nur noch einzelne Flüchtlinge in Privatzimmern, die meisten sind weggezogen, haben Arbeit oder Ausbildung und Wohnung gefunden. Während sich vor den europäischen Küsten humanitäre Katastrophen abspielen und 70 deutsche Kommunen bereit sind, zu ihren Quoten noch zusätzliche Menschen aufzunehmen, verliert man sich hier im ewigen Klein-Klein. Die Berichte der NZ sind den meisten Flüchtlingen nicht würdig, die sich unter sehr schwierigen Bedingungen um Arbeit oder Ausbildung und Wohnung bemühen, ihnen erweist man damit einen Bärendienst, ebenso wie allen Flüchtlingshelfern. Das Klima, das dadurch entsteht, trägt zur weiteren Polarisierung und Spaltung der Gesellschaft bei.

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