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Leserbriefe

Familien und Schulen sollen Wende einleiten

19.12.2012 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Raul Guerreiro, Nürtingen. Zum Artikel „Amerika im Schockzustand: Blutbad an Grundschule“ vom 15. Dezember. Kurz vor dem heiligen Fest der Geburt geschieht ein nicht-heiliges Drama des Todes. Eine unglaublich herztreffende Polarität und ein Spiegel von geistigen und irdischen Realitäten. Trotz aller laufenden Diskussionen um amerikanische Waffenmanie, cowboyische Schießlust et cetera ist das keine spezifische amerikanische Tragödie. Unschuldiges Kinderblut zu vergießen ist eine unaussprechbare spirituelle Schande, sei es kriminell „Auge in Auge“ zwischen Täter und Opfer in einer Grundschule in Amerika oder durch eine aus der Ferne geworfene Bombe oder Rakete irgendwo anders in der Welt.

Nur kranke Menschen oder besessene Militaristen unterscheiden dann zwischen kaltblütigem Töten und sogenannten „kollateralen Schäden“. Auf der Suche nach der Quelle des jetzigen Dramas finden wir kein religiös, politisch oder historisch legitimiertes „Kriegsverfahren“, sondern einfach eine Familie und eine Jugendseele, die durch die Umstände der modernen sozialen Spaltungen und Spannungen infiziert wurden. An den wahren Wurzeln dieser Zivilisationserkrankung finden wir Eltern, die im Namen von künftigem Prestige, Sozialansehen oder professionellem Erfolg für ihre Kinder eine Frühintellektualität und eine robotisierte Erziehung praktisch von Geburt an pflegen.

Die hintergründige Kinderbiografie des jungen amerikanischen Täters beginnt jetzt zu erscheinen: zusammen mit einer massiven Sozialscheu und menschlicher Isolation war er ein Computerfreak, der unter den Spielkameraden eines Technologie-Schulklubs als absolut genial galt, sowie ein chronischer Videogamespieler, wo selbstverständlich Gewalt und Schießereien nicht gefehlt haben. Solche Umstände der Erziehungswelt erscheinen immer öfters auch unter uns, ja in unserem würdigen Friedensnobelpreisträger Europa, wo „Medienkompetenzen“, materialistische Werte und allerlei technologische Würden mehr geschätzt werden durch Eltern und Pädagogen als die Fähigkeit, gesund und human mit anderen Menschen verkehren zu können.

In Kirchheim präsentierte vor Kurzem Professor Dr. Dr. Spitzer (der weltrenommierte Gehirnforscher der Uni Ulm) ein schreckliches wissenschaftliches Panorama über die Gehirndegenerationen, die bei Kindern verursacht werden durch elektronische Geräte und Medien (von uralten TV- und Videogames bis Smartphones und Tablets der letzten Generation). Solche Vorträge sowie zahlreiche Bücher offenbaren die undiskutierbaren Fakten. Es liegt nun an Familien und Schulen, eine Wende zu bringen und mutig in die Mülltonne zu werfen, was in die Mülltonne gehört. Auch ohne tote Kinder sollten herztreffende Tränen von höchster Stelle aus Politik, Adel oder Religion täglich rollen, solange diese tierische Dekadenz der Erziehung nicht enttarnt und eliminiert wird.

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