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Europameisterschaft als Pandemietreiber

07.07.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Adrian Ender, Nürtingen. Covidiotische Exzesse en masse – da lässt sich die frühe Schlappe der deutschen Elitekicker als Sieg umdeuten. Eine ernüchterte Gemütslage des Fußballvolkes könnte die Delta-Ausbreitung hierzulande bremsen; Corona-Festspiele in London und St. Petersburg wirkten bereits als Pandemietreiber.

Gut gefüllte Stadien, grölende Fans, maskenfrei und ohne Abstand. In Minister Seehofer keimte der „Verdacht, dass es um Kommerz geht“. Aufmerksame Beobachter wissen längst, die UEFA kennt beim Tanz ums goldene Kalb kaum Schranken. Mit Boris Johnson fand der korrupte Apparat einen servilen Erfüllungsgehilfen, denn 2030 muss die WM ins Ursprungsland des Fußballs heimgeholt werden. Populist Johnson offenbarte vergangenen Oktober seine Denkungsart: „Keine verdammten Lockdowns mehr! Sollen sich halt die Leichen stapeln!“

Hätte Boris nicht gespurt, Puszta-Pate Orban würde sich stolz im Glanze der Finalspiele sonnen. Sein Heimatdorf, ein 1800-Seelen-Kuhkaff, prahlt mit Ungarns protzigstem Fußballstadion, in Nachbarschaft des Regenten Wochenendhauses. Orban hält Geflüchtete draußen, LGBTQ unten und fördert die Pandemie – Wimmelbilder aus Budapests gerammelten EM-Stadion lassen es befürchten.

Das heutige Ungarn scheint in der EU fehl am Platz. Im Gegensatz zu Johnson würde Orban leider niemals für einen „Hungarexit“ werben. Ohne Knete aus Brüssel ist seine Gulasch-Autokratie auf Diät gesetzt.

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