Leserbriefe

Es ist höchste Zeit zu handeln

21.03.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Sebastian Kurz, Neckartailfingen. Zum Artikel „Handlungsbedarf beim Hochwasserschutz“ vom 13. März. Beim großen Jahrhunderthochwasser von 2013 ist Neckartailfingen nur knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt. Glücklichen Umständen und dem unermüdlichen Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr – die tagelang im Einsatz war – haben wir es zu verdanken, dass damals weder Personen verletzt wurden noch größere Sachschäden entstanden. Seitdem warten die Bürger in Neckartailfingen dringend auf den verbesserten Hochwasserschutz. Als Bürger und Gemeinderat habe ich die Sorge, dass ein Ereignis wie 2013 wieder passieren kann. Ich habe daher wenig Verständnis dafür, dass in Neckartailfingen die Planungen für die Schutzmaßnahmen offenbar nur sehr langsam vorangehen.

Im Gemeinderat wird seit 2006 (!) über einen besseren Hochwasserschutz debattiert. 2016 wurde der Gemeinde sogar empfohlen, den Bauabschnitt an der vom Hochwasser am meisten gefährdeten Stelle auf eigene Kosten umzusetzen. Auf Nachfrage erhielt ich in einer Gemeinderatssitzung die Auskunft, dass das Land die Schutzmaßnahmen nur bezuschusst, wenn diese in Zusammenhang mit allen Bauabschnitten umgesetzt werden. Einzelne Bauabschnitte werden demzufolge nicht bezuschusst. Eine Gemeinde wie Neckartailfingen kann meines Erachtens bei einer Summe von rund 2,5 Millionen Euro nicht in Vorleistung gehen – nicht ohne Neuverschuldung.

Nun lese ich in dem Artikel, dass das Land 70 Prozent der Kosten für die Schutzmaßnahmen in der benachbarten Stadt Nürtingen übernimmt. Zudem übernimmt das Land die Trägerschaft für die Hochwasserschutzmaßnahmen und wickelt alle Baumaßnahmen direkt ab. Somit muss die Stadt Nürtingen nicht mal in finanzielle Vorleistung gehen. Währenddessen lässt das Land die Gemeinde Neckartailfingen wortwörtlich im Regen stehen.

Ich begrüße es sehr, dass sich der Umweltminister für seine Heimatstadt so sehr einsetzt und starkmacht. Aber sollte der Umweltminister die Menschen in Neckartailfingen nicht gleich behandeln und dort ebenfalls die Trägerschaft der Schutzmaßnahmen übernehmen? Das Umweltministerium hat selbst Zahlen veröffentlicht, denen zufolge bei einem Jahrhunderthochwasser (HQ100) 400 Menschen in Neckartailfingen der Fluchtweg in die rettenden Obergeschosse oder auf die Dächer fehle. Es ist höchste Zeit zu handeln.

Leserbriefe

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