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Es gibt viel wichtigere Themen

07.09.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Reinhardt, Neckartenzlingen. Zum Leserbrief „Politikverdrossenheit oder Protestwähler“ vom 29. August. Ein Leserbriefschreiber wie Herr Löffler beklagt die zunehmende Politikverdrossenheit – und was tut er: er fördert sie nach Kräften. Das kann für unseren Staat – für uns alle – nicht gut sein. Wenn er das negative Politikerbild, das in allerlei Medien, in der einen Zeitung besonders, immer wieder verbreitet wird, in einer seriösen Zeitung wie der Nürtinger Zeitung wiederholt, tut er den vielgescholtenen Politikern schlichtweg Unrecht.

Wenn Herr Löffler die zurzeit viel besprochenen Vorfälle von Ulla Schmidt in Spanien und Angela Merkel im Kanzleramt zum Anlass nimmt, sich in maßlose Ausfälle hineinzusteigern und die Bundestagsabgeordneten schließlich sogar des Meineids bezichtigt, muss man ihm widersprechen und um eine realitätsnähere Betrachtung bitten. In beiden Fällen, auch wenn sie von bestimmten Medien breitgetreten werden, geht es doch um vergleichsweise kleine Summen. Es mag verständlich sein, dass einem Menschen, der wenig verdient, ein Betrag von ein paar Tausendern erschreckend viel erscheint. Aber bei Menschen, die täglich eine Verantwortung tragen und fast täglich mit Millionen von Euro verantwortlich umgehen müssen, muss man andere Maßstäbe anlegen.

Der Job eines Politikers, der es nur halbwegs ernst nimmt – und das sind sicher die meisten –, ist ungemein hart; auch wenn das in manchen Medien kaum zum Ausdruck kommt. Wer das nicht glaubt, sollte sich mal die Tagesordnung einer Bundestagssitzung ansehen oder den Terminplan eines Ministers. Oder sich über die Vielfalt der Themen unterrichten, zu denen ein Politiker ständig informiert sein muss. Das sind alles Dinge, die ein kleiner Normalbürger sich kaum vorstellen kann. Und Leuten, die das auf sich nehmen, muss man auch zugestehen, dass sie gewisse Privilegien in Anspruch nehmen, von denen ein Normalbürger kaum träumen kann. In anderen Berufen ist es doch nicht anders. Daraus etwas wie einen „Skandal“ zu machen, ist mehr als fahrlässig.

Wer da so heftig auf „die Politiker“ schimpft, sie gar verunglimpft, sollte sich klar machen, dass er eine unklare Verdrossenheit verstärkt – und das kann nur die ungute Folge haben, dass immer mehr Bürger von einer „anderen Politik“ träumen – aber zur Demokratie mit all ihren Mängeln gibt es keine Alternative als die Diktatur; wie sollte eine Alternative denn aussehen? Und zum anderen können solche Angriffe dahin führen, dass sich immer weniger hochqualifizierte Menschen der Politik zur Verfügung stellen – in anderen Berufen lebt es sich besser, da wird nicht öffentlich kleinlich gezerft. Es gibt nichts Gefährlicheres für unser Gemeinwesen als das leichtfertige Untergraben der demokratischen Grundeinstellung in der Bevölkerung. Natürlich darf und muss Kritik geübt werden, aber bitte bei den großen Fragen. Die gibt es reichlich; aber die sind – leider – etwas kompliziert.

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