Leserbriefe

Es geht um die Würde des Menschen

16.11.2019 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Klaus-Dieter Tempel, NT-Neckarhausen. Zum Artikel „Mit Luther streiten“ vom 31. Oktober. In ihrer Besinnung zum Reformationsfest hat Frau Pfarrerin Rahlenbeck am 31. Oktober auch die Frage nach der Würde des Menschen aufgegriffen. Sie erwähnte den gleich am Anfang des Grundgesetzes stehenden Satz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Es ging ihr dabei um die in unserem reichen Rechtsstaat in großer Armut lebenden Menschen. Diese können nicht in Würde leben. Sie wird ihnen durch den täglichen Kampf ums Dasein genommen.

In diesem Zusammenhang fiel mir auf, dass die allergrößte Armut in ganz anderen Ländern herrscht. Viele Flüchtlinge versuchen dieser Armut zu entkommen. Umso schlimmer ist es deshalb, dass unser Rechtsstaat lange hier lebende Menschen in ihre Herkunftsländer in die Armut zurückschickt. Es geht nicht um solche, die eben erst gekommen sind, sondern um ganze Familien, die schon zehn, 15, 20 oder mehr Jahre hier leben. Mit ihren hier geborenen Kindern werden völlig integrierte oder sogar assimilierte Familien in der Nacht von der Polizei überfallen, verhaftet, abgeführt, aus ihrer Heimat hier ausgestoßen, verschleppt, verbannt.

Die Vernichtung der Existenzgrundlage dieser Menschen wird bewusst in Kauf genommen, das Wohl der Kinder brutal missachtet. Im für sie fremden Land stehen sie vor dem Nichts. In allen diesen Fällen hätte eine Aufenthaltserlaubnis nach dem Aufenthaltsgesetz erteilt werden können. Hier herrscht reine Willkür. Jegliches Ermessen zu Gunsten der Betroffenen wird verweigert. Die Berufung auf die Gesetze des Rechtsstaates ist eine zynische Ausrede. Der Rechtsstaat hat die Pflicht, die Würde des Menschen zu beachten, in den Gesetzen selbst und in der Gesetzesauslegung.

Es gab bei uns eine Zeit, da wurden Menschen vom Schreibtisch aus zu Opfern gemacht und in die Vernichtung geschickt. Heute werden sie vom Schreibtisch aus in die Fremde und in die Armut geschickt, ihrer eigentlichen Heimat beraubt, ihre hier aufgebaute Existenz wird zerstört. Für mich ist das kein großer Unterschied, denn auch da geht es um Täter und um Menschen, die zu Opfern gemacht werden und damit ihr Leben in Würde verlieren.

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