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Leserbriefe

Erinnerungen an die Kindheit werden wach

24.04.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hartmut Schewe, Aichtal-Neuenhaus. Zu den Leserbriefen „Waldkindergarten – ein Kindheitstraum“ vom 7. April und „Waldkindergarten – eine Heimsuchung“ vom 13. April. Der Empörung von Frau Welsch und Herrn Weber schließe ich mich vorbehaltlos an! Zugleich wurden Erinnerungen aus frühester Kindheit geweckt. Mitte der Fünfzigerjahre übersiedelten meine Eltern und ich ganz legal von der DDR in die BRD (die Abkürzung für die Westzonen ist eine Adenauer-Erfindung), was damals noch möglich war. Arbeit zu finden war leicht, mit Wohnungen sah es anders aus. So blieben wir in Neuenhaus hängen. Beide Eltern hatten schnell Arbeit und ich keine Freunde, denn ich war der „Rucksackdeutsche“ und damit ausgegrenzt.

Weder ich noch meine Alterskameraden hatten einen Schimmer davon, was das sein sollte, aber ein Schimpfwort auf alle Fälle, das war klar. Dieses Gift kam von Eltern und Großeltern als überzeugender Beleg ihrer erzieherischen Verantwortung. Später wurde das etwas besser. Bei schlechtem Wetter und im Winter hatte ich meine Bücher; viel, vor allem viel Verschiedenes zu lesen bildet, dabei kann man auch die Fähigkeit entwickeln, Schlechtes und Gutes zu erkennen, aber im Sommer begann meine fantasievolle Traumwelt genau dort, wo heute der Waldkindergarten liegt.

Damals standen nur ein oder zwei Häuser dort. Kein Problem. Heute scheinen dort einige Leute zu leben, die nie Kinder waren oder es altersbedingt vergessen haben. In einem Generationenhaus, von denen es inzwischen einige gibt, in dem Alt und Jung zusammenleben und sehr viel voneinander lernen und profitieren könnten, wären das die unausstehlichen Miesepeter, die allen das Leben schwermachen, sich selber auch. Ganz nach dem Sankt-Florians-Prinzip: „Heiliger Sankt Florian, verschon’ mein Haus, zünd’ andere an“.

2009 habe ich in ganz anderem Zusammenhang diesen krankhaften Egoismus im Leserbrief sarkastisch kommentiert: „Umgehungsstraße? Klar, freilich, her damit! Aber bitte nicht vor meiner Haustür!“ Das alles erinnert mich an meine Kindheitserlebnisse. So viele Parallelen wie damals. Es haben sich nur die Erscheinungsformen geändert.

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