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Einsteigen auf eigene Gefahr

18.04.2013 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Klaus-Dieter Tempel, NT-Neckarhausen. Zum Artikel „Gutachter überprüft Fernsehturm“ vom 10. April. Herr Kuhn, OB von Stuttgart, hat wegen des mangelnden Feuerschutzes den Fernsehturm für Besucher sperren lassen. Der Grund ist das Fehlen von zwei Fluchtwegen, die unabhängig voneinander sind. Er hat das getan, obwohl 57 Jahre lang nichts passiert ist. Aber sicher ist sicher. Nach diesem Maßstab hätte er sofort auch alle U- und S-Bahn-Tunnels sperren müssen. Zwei unabhängig voneinander vorhandene Fluchtwege bei einem möglichen Brand gibt es in ihnen nicht. Ebenso müsste der Tunnelbau für S 21 sofort verboten werden.

Wie verheerend sich ein Brand in einem Tunnel auswirken kann, ist seit dem Brand einer Bergbahn in einem Tunnel bei Kaprun bekannt. Damals kamen 151 Menschen ums Leben, nur zwölf konnten sich retten. Lange schon kritisiert die Stuttgarter Feuerwehr das vorgesehene Brandschutzkonzept für die S-21-Tunnel. Die Lokführer haben für Tunnelfahrten die Anweisung, bei Bränden oder beginnender Qualmentwicklung in Tunnels so lange weiterzufahren, bis sie den Tunnel verlassen haben. Sollte aber ein Fahrgast die Notbremse ziehen, steht der Zug in Sekundenschnelle. Bis der Lokführer die Bremsen wieder lösen kann, haben sicher schon einige Fahrgäste die Notentriegelung der Türen betätigt, die Türen geöffnet und sind dabei auszusteigen. Der Zug kann nicht weiter, Qualm und Rauch können sich ausbreiten, für die Passagiere gibt es keine Rettung. Die Wege zu den Rettungstunnels sind gerade mal 80 Zentimeter breit. Bei einem voll besetzten Zug ist es völlig unmöglich, dass auch nur ein kleiner Teil der Menschen diese erreichen kann.

Vor Ostern blieb zwischen Frankfurt und Köln ein ICE in einem Tunnel liegen. Bei Lokschaden oder Brandausbruch in der Lok ist sowieso keine Weiterfahrt mehr möglich. Die Fahrgäste mussten von 20 bis 24 Uhr warten, bis sie aus ihrer misslichen Lage erlöst wurden. So sieht das bei der Bahn mit dem Rettungskonzept aus. In den letzten zwei oder drei Jahren mussten zwei Mal die Fahrgäste in einem ICE bei Vaihingen/Enz ebenfalls circa vier Stunden warten, bis Ersatz kam. Die ICE-Tunnels werden vermutlich trotz der Brandgefahr und der mangelhaften Rettungsmöglichkeiten gebaut werden und niemand wird sie vorsichtshalber sperren. Also gilt: Bitte einsteigen auf eigene Gefahr.

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