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Einfamilienhäuser und kleine Wohneinheiten

18.06.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Thaddäus Kunzmann, Nürtingen. Zum Artikel „Das Einfamilienhaus ist ein Fehler“ vom 12. Juni. Ein hochinteressantes Interview, sehr aufschlussreich – und polarisierend. Ich stimme Herrn Hofer zu, dass wir – angesichts der älter werdenden Gesellschaft – nicht immer mehr Einfamilienhäuser bauen dürfen. Zuvorderst müssen die knappen Möglichkeiten genutzt werden, um altersgerechte Wohnungen zu erstellen. Und zwar unabhängig davon, ob in diese Wohnungen dann zunächst auch wirklich Ältere einziehen. Ein Haus steht wenigstens 70 Jahre – es werden also in jedem Fall irgendwann alte Bewohner leben.

Dass eine Internationale Bauausstellung nicht dazu da ist, das zu bauen, was es sowieso schon gibt, ist klar. Deshalb müssen in der Bahnstadt auch Wohngemeinschaften und Clusterwohnungen ihr Zuhause finden.

Die Bahnstadt ist jedoch (sofern die Bergäcker nicht doch noch irgendwie kommen sollten) das einzige neue Bauland, auf dem in Nürtingen eine nennenswerte Zahl an Wohnungen entstehen. Sie muss also der Grundversorgung dienen: Und die große Zahl der Menschen will nicht in WGs leben und weiterhin auch ein Auto nutzen.

Es gibt also kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch. Wenn Herr Hofer anregt, im Mietvertrag das Verbot von Autos vorzuschreiben, geht das nicht. Die meisten sind darauf angewiesen. In Zürich ist das natürlich anders, obwohl es dort auch täglich Staus gibt.

Es gibt derzeit überhaupt keinen Trend weg vom Auto. Seit 2010 ist die Zahl der Pkws in dieser Stadt Nürtingen pro 1000 Einwohner um 14 Prozent angestiegen. In jedem Jahr ein bisschen, auch 2020. Die Herausforderung ist ja nicht, den Leuten das Auto auszutreiben, sondern es klimafreundlich zu bauen.

Niemand verlangt mehr in einem neuen Wohngebiet einen Stellplatzschlüssel von zwei pro Wohnung – obwohl dieser der Wahrheit am nächsten käme. Ein Stellplatz pro zwei Wohnungen ist aber auch eindeutig zu wenig. Und der Verweis auf die Park-and-ride-Parkplätze, die am Bahnhof gebaut werden sollen, führt unweigerlich dazu, dass die Pendler die Verlierer sind. Ob das allerdings den Umstieg vom Auto in den Zug fördert, stelle ich dann doch sehr in Zweifel.

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