Schwerpunkte

Leserbriefe

Eine Gelegenheit wurde vertan

23.03.2022 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Gerlinde Maier-Lamparter, Köngen. Zum Artikel „Kontroverse um den Straßennamen“ vom 14. März.

Die Straßen in den zuletzt ausgewiesenen Köngener Baugebieten sind nach mehreren Männern und einer Frau benannt. Sophie Scholl ist gemeinsam mit ihrem Bruder Hans Namensgeberin der Geschwister-Scholl-Straße. Die anderen Straßen im Baugebiet Tiefe Straße/Grund wurden nach Maximilian Kolbe, Dietrich Bonhoeffer, Kurt Huber und Claus Schenk Graf von Stauffenberg benannt. Im Baugebiet Burgweg West III wurde der frühere Köngener Bürgermeister mit der Erwin-Rath-Straße geehrt.

Nun wird das Baugebiet Östlich Blumenstraße erschlossen und die einzige Straße dort braucht einen Namen. Darüber sollte in der Gemeinderatssitzung am 7. März beraten und beschlossen werden. Die Verwaltung hatte wie berichtet vier Namen vorgeschlagen. Keine einfache Entscheidung, sollte man meinen, da alle die Ehre einer Straßenbenennung verdient hätten. Was dann aber im Gemeinderat ablief, macht mich wütend. Zwei Gemeinderäte meinten, dass es besser sei, einen Sachnamen statt eines Personennamens zu wählen.

Ihre Argumente sind für mich nicht nachvollziehbar. Sind es womöglich zu viele Frauennamen, die vorgeschlagen wurden? Die zudem geäußerte, jedoch nicht berichtete Befürchtung, dass künftig womöglich noch „queere Namen“ gefordert werden könnten, weil dieses Mal drei Frauennamen zur Abstimmung standen, kann ich nicht ernst nehmen. Ich kenne Menschen, die sich als queer bezeichnen. Wenn sich eine queere Person Verdienste erwirbt, kann und sollte sie geehrt werden. Alles andere wäre sexistisch und damit diskriminierend.

Ergebnis: Dem Antrag auf Benennung der Straße nach einer „Sache“ wurde mehrheitlich zugestimmt, und das von Personen, die vor nicht allzu langer Zeit nichts gegen eine Erwin-Rath-Straße einzuwenden hatten und in ähnlicher Besetzung vor einigen Jahren die Straßen im Baugebiet Tiefe Straße/Grund nach fünf mutigen Männern und einer mutigen Frau benannten.

Hier wurde die Gelegenheit vertan, eine Straße nach einer Persönlichkeit zu benennen. Else-Klink-Straße und Ilse-Rennefeld-Straße in Köngen wären einmalig. In Stuttgart ist eine Straße nach Anna Peters benannt und es gibt tatsächlich über 70 Straßen, Wege und Plätze, die in Deutschland den Namen von Georg Elser tragen.

Leserbriefe