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Leserbriefe

Ein Skandal

04.03.2008 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hans Müllerschön, NT-Raidwangen. Zu den Artikeln Bis April läuft hier sicher nichts und Kostenexplosion am Nürtinger Wörth vom 28. Februar. Was Kostenexplosion anbelangt, gibt es sicher viele Fakten, die unter Unvorhergesehenes betitelt werden können. Bis zu einem gewissen Grad kann ich das auch nachvollziehen. Wenn aber eine Kostenexplosion bei der Brücke von 1,9 auf 5 Millionen festgestellt wird, so ist das für mich kaum glaubhaft. Ich möchte den Bauherrn kennen, der diese Steigerung ohne Konsequenzen anerkennt. Mehrkosten von 168 Prozent bedeuten bei einem privaten Auftraggeber Streichung von Aufträgen für die Zukunft. Alles mit Mehrausgabe für die Fundation zu begründen, kann glauben, wer will, ich nicht. Die Kostensteigerung im Straßenbau von 1,8 auf 2,5 Millionen halte ich, wenn auch sehr hoch, für nachvollziehbar. Mit Interesse habe ich die Baustelle von Anfang an beobachtet. Beim Bau der Brücke war die Baustelle immer sehr gut besetzt und folglich sah man auch das Bauwerk zügig wachsen.

Wenn ich aber seit Ende der Winterpause, die an dieser Baustelle außergewöhnlich lang gedauert hat (andere Firmen haben mindestens zwei Wochen früher wieder begonnen), auf die Baustelle kam, war von reger Tätigkeit keine Spur zu sehen. Jedesmal, wenn ich das sah, bekam ich eine Wut im Bauch, den ich bin überzeugt davon, dass bei privaten Bauherrn solches Verhalten seitens der Baufirma nicht toleriert worden wäre. Wenn man bedenkt, wie viel Mehrkosten den Betroffenen der Umleitung entstehen, wäre mehr Druck in Bezug auf Fortschritt der Arbeiten vonnöten gewesen. Von Unternehmerseite her wird die Verzögerung verschiedentlich begründet.

Ohne Zweifel ist nicht alles vorhersehbar, aber Argumente wie nasser Herbst oder 20 bis 30 Zentimeter gefrorenen Boden kann ich einfach nicht gelten lassen. Die Frosttage in diesem Winter waren so gering, dass der Einfluss auf die Baustelle nicht von Bedeutung war.

Alles in allem bin ich der Meinung, dass mit mehr Druck oder besserer Organisation seitens der Verantwortlichen dieser schleichende Fortschritt der Arbeiten hätte verbessert werden können. Aber es ist ja ein staatliches Bauvorhaben, und wer wird hier von wem zur Rechenschaft gezogen oder wer verliert dadurch sein Gesicht?! Vom Tragen der Mehrkosten, verursacht durch die längere Umleitung, ganz zu schweigen.

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