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Leserbriefe

Ein Punktsieg für Frau Eisenmann

06.03.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hans Köhler, Wendlingen. Zum Artikel „Wahlforscher: Die Messe ist wohl gelesen“ vom 2. März. „Die Messe ist wohl gelesen“, so der Chef der Forschungsgruppe Wahlen, Matthias Jung. Er sieht die Grünen als klare Wahlsieger vor der CDU. Und: „Kretschmann fülle wie kein anderer Ministerpräsident in Deutschland die Rolle des Landesvaters aus.“ Es ist schon erstaunlich, welchen positiven Stellenwert das Etikett „Landesvater“ in Verbindung mit Winfried Kretschmann hat. Als im Jahr 2001 Erwin Teufel, auch als Landesvater bezeichnet, wieder zur Landtagswahl antrat, war der überwiegende Teil der Presse der Meinung, Erwin Teufel sei zu alt. Erwin Teufel war damals 62 Jahre alt. Auch Winfried Kretschmann gehörte zu denjenigen, die lautstark Erwin Teufel für zu alt hielten. Kretschmann strebt im „zarten“ Alter von fast 73 Jahren wieder das Amt des Ministerpräsidenten an. Wie sich doch die Zeiten ändern.

Unser Land braucht für die Zukunft klare und realistische Perspektiven, und eigentlich eine(n) Macher/in, wie es Lothar Späth einst war. Und das ist Winfried Kretschmann beileibe nicht! Beim Fernsehduell am Montag war das deutlich zu erkennen. Herrn Kretschmann fehlt ganz und gar der Elan. Mit behäbigen landesväterlichen Attitüden wird man unser Land nicht in eine erfolgreiche Zukunft führen.

Ganz anders Frau Susanne Eisenmann. In allen angesprochenen Themenbereichen vermittelte sie Zukunftsperspektiven und die Tatkraft, diese in die Tat umzusetzen. Sie war, ohne verletzend zu sein, angriffslustig und deckte die Schwächen der Grünen und von Winfried Kretschmann deutlich auf. Die Reaktion von Kretschmann war dabei keineswegs souverän, wie manche es gerne sehen mochten; nein, im Gegenteil: Er reagierte verärgert, nervös, angespannt und verkrampft. Während Frau Eisenmann stets gelassen blieb, auch wenn Kretschmann versuchte, sie als Kultusministerin anzugreifen und ein Gesamtkonzept für digitalisierten Schulunterricht anmahnte.

In aller Ruhe wies Frau Eisenmann darauf hin, dass die Vorläuferregierung Grün-Rot unter Kretschmann das Thema überhaupt nicht im Fokus hatte, und dass man, seit sie das Kultusressort führt, diesbezüglich an der Arbeit sei. Der Computer ersetze nicht das Buch. Nach wie vor komme es darauf an, nach dem Prinzip Pestalozzis von „Kopf, Herz und Hand“ den jungen Menschen zum selbstständigen, bewussten und verstandesmäßigen Denken und Handeln zu bilden.

Gut war auch, dass Frau Eisenmann daran erinnerte, dass die Sozialwohnungen des Landes in der ersten rot-grünen Regierungsperiode von Kretschmann an private Investoren veräußert wurden. Und als der Moderator des Fernsehduells aus dem Wahlprogramm der Grünen sinngemäß zitierte, dass die Grünen Einfamilienhäuser nicht mehr bauen lassen wollen, konnte Kretschmann nur noch etwas hilflos drum herum salbadern.

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