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Leserbriefe

Ein Modellfall für ein soziales Miteinander

22.10.2016 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Bericht „Vom Roßdorf für das Roßdorf“ vom 15. Oktober. Im Roßdorf brodelt gar nichts! Alle 4500 Einwohner unserer Wohnstadt, davon rund 1800 Menschen mit anderer Familiensprache als Deutsch, lieben die Ruhe, Naturnähe, verlässliche Nachbarschaften und das friedfertige Miteinander. Integration? Ist unser täglich Brot seit 35 Jahren. Auch wenn immer wieder Sozialmissionare ihre Eulen nach Athen tragen, sprich, dem Roßdorf ordentliches Miteinander predigen. Gewissen rechtslastigen Aufrührern passt das nicht. Die finden bei politisch wenig Informierten schnell Gehör und wollen den Stadtteil aufmischen. „Immer wieder Flugblätter“? Nein! Immer wieder derselbe anonyme Schmierfink.

Der Protest gegen den Standort Nanzwiese wurde uns als Fremdenfeindlichkeit angekreidet. Es hieß, wir hätten „die Straße gegen den Gemeinderat mobilisiert“. So ein Unfug! Unser Protest geht gegen das Nicht-Gehört-Werden, das Nicht-Mitgenommen-Werden. Wer aber im Roßdorf den Mund aufmacht, der hat zum Workshop kein Einladungsschreiben erhalten. Dafür andere, die damit erst gar nichts anfangen. „Vom Roßdorf für das Roßdorf“ geht anders. Werktags können nämlich nur Rentner teilnehmen. Berufstätige und Familienfrauen haben am Freitagmorgen anderes zu tun als bunte Kärtchen mit den seit 30 Jahren nahezu gleichen Stichwörtern auf Stellwände zu pinnen. Das tun dann die, die es in den vielen früheren Workshops auch getan haben.

Vier Tage davor tagte die Roßdorfrunde. Seit 20 Jahren planen da die Kindergärten, Schule, zwei Kirchen, BVR, Bücherei, Downstairs (das evangelische Pegasus leider nicht mehr) gemeinsame Projekte. Aktuell hat man das Stadtteiljubiläum 2017 skizziert. Dem Workshop blieb das aber unbekannt. Also hat man doppelt gemoppelt und einmal mehr das heiße Wasser neu erfunden.

So geht es bei schwachem Konzept ohne Überblick. Und wenn man diejenigen nicht rechtzeitig anfragt, die Ahnung haben. Nochmals: Unser Stadtteil ist kein Brennpunkt, sondern ein Modellfall für soziales Miteinander und Integration. Brodeln im Roßdorf? Nur in den Küchen.

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