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Ehrenkreuz für Zuchteber

14.06.2013 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Dieter Runk, Kirchheim. Zum Leserbrief „Das Mutterkreuz war unpolitisch“ vom 24. Mai. Die empörten Leserbriefe auf Bärbel Gossons Lokalspitze „Das Mutterkreuz“ vom 21. Mai veranlassen mich, zu diesem Thema auch einige Worte zu schreiben. Meine hochgeschätzte Großmutter Berta brachte zehn gesunde Kinder zur Welt. Für das achte gab es das Mutterkreuz in Gold. Dieses hatte sie angenommen und in eine Schublade gelegt. Da lag es auch noch Jahre nach ihrem Tod, ungetragen, mit jungfräulich umwickeltem Bändele, umgeben von anderem „Gruschd“.

Für ihre zehn Kinder und ihre weitere Lebensleistung als schaffige Bäuerin und Kauffrau in ihrem Kolonialwarenlädle erhielt sie große Anerkennung seitens der Dorfgemeinschaft. Sie war hochgeachtet im Flecken. Und alle waren sie gut angezogen, ihre Kinder. „Man sah es ihnen nicht an, dass es so viele waren“, hatten die Leute gesagt. Dies hatte ihr wirklich was bedeutet!

Die Anerkennung des Schreihalses A. H. hingegen und das Blech im Schublädle waren ihr nichts wert. Zumal ihr Erstgeborener auf dem sogenannten „Feld der Ehre“ sein Leben lassen musste.

Nun, eine Gebärmaschine war die Berta gewiss nicht – die vielen Kinder waren eher die Folge eines aktiven Ehelebens. Und schon bald nach der Befreiung durfte dieser Kindersegen zur Verständigung und Versöhnung der Völker beitragen: Mutterkreuzträgerin Bertas Erstgeborene heiratete den gerade eben noch Kriegsgefangenen André. Ist das nicht schön?! Das Schwabenmädle und der Erbfeind in Liebe vereint!

Dieses unbenutzte, nutzlose Mutterkreuz kam in diesem Jahrtausend nun doch noch zu wahren Ehren: Im Rahmen einer Theateraufführung durfte ich einen „landesprämierten Zuchteber“ ausstaffieren. Dieser trug den unsäglichen Kanonenfutterorden, mit überklebtem Hakenkreuz, am Revers. Dafür habe ich, Bertas Enkel, ihr Ehrenkreuz der Deutschen Mutter gerne hingegeben: Für die Sau!

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