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Dreiste Aussage

30.11.2007 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Michael Kocken, Nürtingen. Zum Leserbrief Das Rentenproblem vom 27. November. Wenn ich mir den Leserbrief des Herrn Kunzmann durchlese, frage ich mich, ob es einen Vordruck der Großen Koalition in Berlin gibt, den alle offiziellen Vertreter der Parteien auswendig lernen müssen, um solche Aussagen zu machen. Bei einem Gespräch mit einem Nürtinger Vertreter der Großen Koalition wurde mir gegenüber fast wortgleich argumentiert. Das finde ich beeindruckend, wenn man bedenkt, dass Herr Kunzmann Vertreter einer anderen Partei ist als mein damaliger Gesprächspartner. Zu behaupten, in zehn bis 15 Jahren würde es das Problem der Arbeitslosigkeit nicht mehr geben, ist entweder ignorant oder Schlimmeres. Ich mag allerdings ignorante Menschen nicht!

Nun kenne ich das Problem unserer politischen Elite, welche gelegentlich unter verbaler Diarrhöe leidet und sich hinterher falsch verstanden fühlt. Deswegen erlaube ich mir, Herrn Kunzmann zu zitieren: ...werden wir in Zukunft (...) kein Arbeitslosenproblem mehr haben. Weiterhin behauptet der Herr CDU-Kreisvorsitzende, dass es sowohl für junge Menschen als auch für ältere Arbeitnehmer(innen) schon heute genug Arbeit gäbe. Das finde ich eine besonders dreiste Aussage, da sie indirekt allen Arbeitssuchenden unterstellt, sie seien schuld an ihrer Arbeitslosigkeit.

Wenn Ministerpräsident Oettinger den Abbau von 6000 Arbeitsplätzen bei Daimler als Fitnessprogramm für das Unternehmen bezeichnet, dann ist das ein deutliches Indiz dafür, dass die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in diesem Land für die CDU uninteressant sind. Und Herr Kunzmann behauptet, dass genügend Arbeit für alle da ist? Auch das ist entweder ignorant oder zeugt von Unkenntnis der Situation in den Betrieben und der Situation der Arbeitssuchenden.

Im Übrigen meine ich, wenn ich von Arbeit für Menschen rede, Arbeit, deren Einkommen ein würdiges Leben ermöglicht! Aber Herr Kunzmann ist ja ein Freund von Leiharbeit und ein Feind vom Mindestlohn. Das mache ich ihm nicht zum Vorwurf, ich bin mir sicher, dass er da ganz linientreu Parteimeinung vertritt. Weiterhin behauptet er, dass die Erhöhung des Renteneintrittsalters den Jungen zugutekommt und begründet dies mit den Rentenbeiträgen. Das ist Politik an der Mehrheit des Volkes vorbei. Die betriebliche Realität sieht anders aus. Kaum einer bleibt heute bis zum 65. Lebensjahr in einem Unternehmen, nicht weil man nicht möchte, sondern weil man es gesundheitlich nicht kann. Dabei ist es egal, ob derjenige Dachdecker oder Entwickler ist, alle Berufsgruppen haben mit erhöhten Belastungen zu kämpfen. Dabei ist den meisten arbeitenden Menschen die Senkung des Beitragssatzes um ein halbes Prozent ziemlich egal, da es kaum etwas am Nettoeinkommen verändert. Aber für die Unternehmen bedeutet das eine große Entlastung.

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