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Leserbriefe

Die Zahlen, der Stresstest und die EU

22.12.2012 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Wolfgang Rieger, Köngen. Zum Artikel „Die unterschiedlichen Zahlenspiele“ vom 19. Dezember. Jetzt habe ich immer geglaubt, wir seien nach der Volksabstimmung zu Stuttgart 21 ein Jahr klüger geworden. Aber dann muss ich in der Nürtinger Zeitung einen Leserbrief entdecken, dessen Schreiber noch vor der Volksabstimmung in den Winterschlaf gefallen zu sein scheint und erst jetzt von den Erschütterungen in Stuttgart wieder aufgewacht ist. Er versucht, die Märchen von damals wieder aufzuwärmen und ahnungslose Bürger damit aufs Neue kirre zu machen. Sturköpfe sind nicht die, die Falsches unbeirrt anprangern, sondern Sturköpfe sind die, die in „permanentem Stakkato immergleichen Inhalts“ den Bürgern weismachen wollen, dass die Rückzahlung eines Darlehens Kosten seien. Dieser Unsinn, den der Schreiber mit Sicherheit selber nicht glaubt, ist kaum mehr zu überbieten. Fakt ist nach wie vor, dass die Stadt Stuttgart 2001 der Bahn 460 Millionen Euro praktisch zinslos vorgestreckt hat für Gelände, das die Bahn heute noch in ihrem Besitz hat. Die Stadt wollte sich damit den gigantischen Reibach sichern, den sie mit den (vielleicht) frei werdenden Flächen zu erzielen gedenkt. Rückgabe fremden Eigentums sind keine Kosten, selbst dann nicht, wenn Zinsen anfallen, und selbst dann nicht, wenn das Geld inzwischen verjubelt ist. Und wenn es Kosten wären, dann stünden sie für die Stadt Stuttgart auf der Habenseite. Das nennt man dann ein Nullsummenspiel.

Noch andere wichtige Ereignisse scheint der Schreiber verschlafen zu haben: Im medial inszenierten Stresstest haben die Projekttreiber versucht, den Mythos von 49 Zügen pro Stunde aufrechtzuerhalten, obwohl dies von keinem anderen Bahnhof auch nur annähernd erreicht wird. Die zwischenzeitliche Erkenntnis, dass die Projekttreiber dem Bauantrag selbst nur eine Bahnhofsleistung zugrundegelegt haben, die deutlich unter der des heutigen Bahnhofs liegt, lässt den Stresstest im Nachhinein als grandioses Affentheater erscheinen. Aber wozu nur? Auch diese Frage ist inzwischen beantwortet, denn unsere Freunde in Brüssel haben sich zu S 21 zu Wort gemeldet. Die EU wittert Subventionsbetrug, denn die Bahn setzt EU-Gelder, die sie für den Ausbau des Eisenbahnverkehrs bekommen hat, in Stuttgart zu dessen Rückbau ein! Das sind die Hintergründe der „Zahlenspielchen“!

Wer ratlos ist angesichts einer solchen Entwicklung, erhält gerade in diesen Tagen Trost durch Philipp Nicolai, der schon 1599 gedichtet hat: „Wachet auf, ruft uns die Stimme. Wo seid ihr klugen Jungfrauen?“

Leserbriefe

Unverhohlene Parteibrille

Wolfgang Niefanger, Oberboihingen. Zum Leserbrief „Umstiegsfantasien helfen da wenig“ vom 7. Januar. Es ist ja bekannt, dass Missionierende per se alles besser wissen und somit auch immer recht haben (müssen).

Nun ist Maike Pfuderer ja nicht irgendeine Zeitungsleserin, sondern im…

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