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Die Unterschiede

19.09.2008 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Helmut Nauendorf, Nürtingen. Zum Leserbrief „Mit den Bürgern reden“ vom 13. September. Auf Fragen kann man immer mit Polemik antworten. Ob das weiterhilft, das ist die Frage. Weder direkt noch indirekt habe ich von „übersättigten Outlet-Metzingern, die sich Ökofantasien gönnen“, geschrieben. Um es kürzer zu fassen, damit es Reinmar Wipper auch versteht: Vielleicht haben die Metzinger die Schnauze voll von all dem Rummel in ihrer Stadt? Es geht mit dem Schuldenstand der Stadt Metzingen weiter. Rund 25 Millionen Ende 2007. Reich sähe anders aus, schreibt Reinmar Wipper. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Arme Kommunen können sich einen derartigen Schuldenstand nicht leisten. Zum Beispiel: Die Stadt Nürtingen steht mit ihrer Steuerkraft auf den hinteren Rängen im Land. Sie könnte sich weder diese 25 Millionen Schulden leisten noch gar die im Größenverhältnis beider Städte hochgerechneten rund 50 Millionen Euro. Wenn Nürtingen fast keine Schulden hat, dann ist es damit keine reiche Stadt. Es müssen mehrere Kennziffern eines Haushaltsplanes betrachtet werden, um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einer Stadt beurteilen zu können.

Im Übrigen: die Stadt Metzingen hat für eine Kommune mit 22 000 Einwohnern eine erstaunlich gute Infrastruktur. Man schaue sich die Innenstadt an, die Einrichtungen in den Bereichen Sport und Kultur und so weiter. Es langt nicht, diese Stadt nur im Internet zu besuchen. Auf meine Kernfrage geht Reinmar Wipper nicht ein: Wie gehen international agierende deutsche Firmen bei uns mit der Tatsache um, dass ihnen Flächen für neue Entwicklungen verweigert werden? Logistik- und Distributionszentren gehören zu diesen Entwicklungen. Der Raum Nürtingen hat eine sehr einseitige Wirtschaftsstruktur. Der Maschinenbau und der Elektromaschinenbau sind nicht in jedem Fall und immer prosperierende Wirtschaftszweige. Auch Industrien haben Lebensalter. Wir erleben schon, dass Arbeitsplätze verlagert werden. Wie sieht diese Industrie in zehn Jahren bei uns aus? Wir müssen eine bessere Mischung der Struktur unserer Industrie einleiten. Der Hinweis, derartige Zentren gehörten an Autobahnauffahrten, verfängt nicht: In Stuttgart wurde ein Suchlauf durchgeführt. Ergebnis: Es gibt nicht viele Möglichkeiten für derartige Entwicklungen.

Die unterschiedlichen Beurteilungen von politischen Entwicklungen und Vorgängen bei den Regierungspräsidien (RP) in Stuttgart und Tübingen sind auch für mich ein Ärgernis. Wie kann zum Beispiel das Tübinger RP eine derartig überzogene Entwicklung von Outlet-Centern in Metzingen zulassen? Mittelstandsfreundlich sieht anders aus. Tübingen lässt manches laufen, was Stuttgart blockieren würde.

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