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Die Stomleitung in den Boden verlegen

19.07.2017 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Artikel „Wohnungsbau im Gewann Wasserfall“ vom 13. Juli. „Zur Hochspannungsleitung halten wir dabei gebührend Abstand“, meint Stadtplanerin Schreiber bei der Vorstellung der Wohnbaupläne am Schelmenwasen. Diese Maßeinheit bedarf einer Präzisierung: Was ist „gebührend“, wenn es um den Abstand zu elektromagnetischen Feldern im Niederfrequenzbereich geht (50 Hz)? Nach Ansicht der Nürtinger Stadtverwaltung ist ein Null-Abstand hinreichend, weil die Felder ja gar niemandem nichts tun. So gehört seit Sommer 2015. Und so ist man auch mit den Containern auf der Nanzwiese verfahren. Die liegen nämlich senkrecht unter den Stromseilen.

Nach Ansicht des Technischen Beigeordneten Neureuther reichen neun Meter aus, so geäußert im Zuge der Abwägung der Nanzwiesenbelegung. Nach Ansicht des Bundesgesetzes zum Immissionsschutz dürfen neue Leitungen nicht über bestehende Wohngebiete gezogen werden. Nach Ansicht des Oberbürgermeisters Heirich verfährt die Stadt aber clever, nämlich umgekehrt. Sie baut neue Wohnungen unter bestehende Leitungen. Was nach solcher winkeligen Advokatenlogik ja nicht dasselbe sei. Und nach Ansicht der USA oder Kanada oder Skandinavien ist zwischen Leitungen und Wohnhäusern ein Abstand von mindestens 200 Metern Pflicht. Aus Vorsorge und Rücksicht auf elektrosensitive Menschen.

Vor 20 Jahren bin ich zusammen mit Hellmut Kuby vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim kläglich gescheitert. Wir wollten, dass die Leitung in den Boden kommt. Das gehe nicht, so die Neckarwerke, heute EnBW. Zu teuer. Und technisch nicht ausgereift. War aber glatt verlogen. Im Boden konnte man schon damals dieselben Strommengen in einem System von drei Hohlleitern verschicken. Die so genannte Seehofer-Trasse, von der Nordsee nach Bayern, macht das streckenweise vor. Und das könnte man auch in Nürtingen immer noch machen. Dann wäre man das ganze Theater los, von Reudern bis nach Großbettlingen. Und könnte bauen wie man wollte. Und bräuchte nicht mit Gummibegriffen wie „gebührend Abstand“ Nebelkerzen werfen.

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