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Leserbriefe

Die Statistik des Bundeskriminalamtes

05.09.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Sem Schade, Wendlingen. Zum Leserbrief „Vom Bürger klaglos hinzunehmen?“ vom 21. August. Herr Hiemer unterstellt mir, dass ich die Vorfälle in Stuttgart und Frankfurt für Lappalien halte und sie vom deutschen Bürger hinzunehmen seien. Das habe ich nie geschrieben und weise dies auch klar zurück. Die Vorfälle sind in unserer Demokratie nicht hinnehmbar.

Die Frage, mit der ich mich befasste, lautete, ob wir uns in Deutschland sicher fühlen können oder nicht. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass mir selbst etwas zustößt? Die aussagekräftigste Antwort finden wir hier in der Statistik. Die wohl seriöseste und beste wird jährlich seit Jahrzehnten vom Bundeskriminalamt erstellt. Hier ist zu sehen, dass die Zahl der Straftaten auf einem Rekordtief ist, ergo gab es nie mehr Anlass zu einem Gefühl von Sicherheit. Das gilt auch für Weihnachtsmärkte, Weindörfer und Volksfeste, die ich gerne und sicher besuchen kann. Im Übrigen sind nicht die sinkenden Zahlen „deutscher“ Straftaten verantwortlich, wie behauptet wird. Die Anzahl von Straftaten Nicht-Deutscher ist in den vergangenen 25 Jahren um 21 Prozent zurückgegangen. Im Bereich Diebstahl sogar um 57 Prozent. Der Verfasser des Leserbriefes gibt offen zu erkennen, dass er weder einen Bericht des Bundeskriminalamtes (BKA) noch des Bundesfinanzministeriums gelesen hat. Wenn man keiner Statistik mehr glauben kann, weil die ja gefälscht sein kann, wie kann man denn dann noch einen gesellschaftlichen Konsens finden? Steht die ultimative Wahrheit in rechtspopulistischen Telegramm-Gruppen oder im Horoskop? Der Autor belegt keine seiner Behauptungen, lediglich ein „dann wird das schon stimmen“ ist zu lesen.

Wenn ich behaupte, dass ein anderer Leserbriefschreiber gerne mal Ausländer auf der Straße beleidigt, obwohl das gar nicht stimmt, und ich dann noch fünf Beispiele hervorhole, bei denen deutsche Männer Ausländer auf der Straße beleidigt haben, und sage, das ist kein Einzelfall und es bereitet mir Sorge, und dann vielleicht noch ein weiterer bestätigt: Wenn Herr Schade das schreibt, wird es schon stimmen. Dann würde dieser mir vermutlich auch Hetze unterstellen. Zurecht, denn ich hätte ihn zu Unrecht in Verruch gebracht. Im Umkehrschluss bitte ich auch, keine anderen Bevölkerungsgruppen zu Unrecht in Verruch zu bringen. Man darf sich hinterfragen, warum man Ängste verspürt, die statistisch nicht nachvollziehbar sind. Ich wünsche mir in Zukunft einen gelernteren und verantwortungsvolleren Umgang mit Zahlen, Statistiken, Fakten und den daraus abgeleiteten Vorwürfen. Im Englischen gibt es hierfür das Wort „Factfulness“ und ein gleichnamiges Buch, das ich sehr empfehlen kann.

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