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Leserbriefe

„Die Kultur macht uns zum Menschen“

26.02.2013 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Monika Armbruster, Nürtingen. Nur durch außerschulische kreative Bildung hatten wir die Chance, in eine Ausbildung für unsere künstlerischen Berufe zu kommen. Wir verdienen unser Einkommen damit, geben das (ebenso wie unsere Schüler) hier in Nürtingen aus und zahlen Steuern – auch für Kulturtöpfe. Kulturelle Bildung ist also durchaus ein Wirtschaftsfaktor. Auch weil viele Menschen ihr fremdbestimmtes Leben erst mit Kultur als Ausgleich meistern können.

Investitionen in Kinder sollen gekürzt werden – die tragenden Säulen unserer Gesellschaft sollen sie dann aber schon werden? Wie wär’s, wenn diesen Kindern als Erwachsene einfallen würde, nicht mehr in uns zu investieren?

Da fällt mir zweierlei Maß auf: Neue Stellen wie die eines Stabsteams oder einer Stadthallenmanagerin wurden eingerichtet. Viele dieser Personen gehen wieder – kaum, dass sie eingearbeitet sind. Effektiv und sparsam ist das nicht.

Teure Gutachten, Neubauten und Sanierungen (Rathäuser, Stadthalle, Stadthallenvorplatz) kommen im Vergleich zu ähnlich großen Städten sehr großzügig und edel daher. Auf der anderen Seite werden Kultureinrichtungen immer wieder an den Rand der Existenz gedrängt.

Wurde eigentlich berechnet, wie viel Nürtingen einspart, weil die Mitarbeiter der Jugendkunstschule (Juks) die Arbeit des Leiters, dessen Stelle vor etwa zehn Jahren gestrichen wurde, seither ehrenamtlich übernehmen? Sowie die ganzen unbezahlten Überstunden, die Lehrkräfte der Musik- und Jugendkunstschule bei Ausstellungen und Konzerten leisten? Seit Jahren dieselben Mitarbeiter, die mit viel Berufserfahrung nachhaltig arbeiten.

Das sind Hunderttausende Euro Einsparungen. Bevor die Gemeinderäte entscheiden, mögen sie bitte an den Kulturgenuss bei der Grieshaberausstellung oder im letzten Meisterkonzert denken. Diese Künstler mussten in jungen Jahren ausgebildet werden, damit die Gemeinderäte diesen Abend angeregt in der Ausstellung oder im Konzert verbringen können – und nicht gelangweilt vor dem Fernseher. Die Kultur erst macht uns zum Menschen.

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