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Leserbriefe

Die jetzige Situation ist nicht mehr tragbar

21.05.2022 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Lucy Katolla, Nürtingen-Raidwangen. Zum Bericht „Kein Platz in der Kita“ vom 14. Mai.

In diesen Tagen kam erneut eine Hiobsbotschaft auf unsere Kindi-App. Ab dem 19. Mai bis zum 31. August werden unsere Öffnungszeiten in den zwei Einrichtungen gekürzt und zwar von 7 bis 13 Uhr. Da aber viele Kinder unter drei sind, werden diese in diesen Fällen bereits um 12 Uhr geholt, da sonst der Mittagsschlaf entfällt. Dieser kann bei diesen Öffnungszeiten nicht stattfinden.

Wie sollen wir Eltern das denn ausgleichen? Seit Monaten werden immer wieder die Zeiten gekürzt oder Gruppen gar ganz geschlossen. Wie sollen wir denn arbeiten und das Geld verdienen, das die Stadt uns jeden Monat in vollem Umfang abbucht, ob früher geschlossen wurde oder nicht? Der Gemeinderat muss beschließen, ob die Eltern eine Rückerstattung der Kosten bekommen. Hat jemand schon mal einem Maler oder Fliesenleger 20 Stunden bezahlt, obwohl er nur acht Stunden da war? Ich glaube nicht.

Wir können die Erzieher verstehen, dass sie streiken. So will keiner arbeiten. Alles muss dokumentiert werden. Vor lauter Dokumentation kommt doch keiner mehr dazu, mit den Kindern zu spielen. Pro Erzieher wird mit knapp sieben Bezugskindern gerechnet. In der Bühlstraße hat eine Erzieherin 24 (!) Bezugskinder. Wie soll sie denn am Kind arbeiten, wenn sie für 24 Kinder die Doku machen soll? Und was kommt von der Stadt? Dort heißt es, wir arbeiten daran. Wow, das hilft uns jetzt irgendwie auch nicht weiter.

In manchen Einrichtungen werden die Erzieher bereits durch ungelerntes Personal oder Eltern unterstützt, aber warum klappt das bei der Stadt Nürtingen nicht? Wir Eltern waren wie so viele durch Corona bereits an unseren Grenzen der Kinderbetreuung, aber die jetzige Situation ist einfach nicht mehr tragbar.

Was sollen wir unseren Arbeitgebern erzählen? Wir können jetzt nur noch halbtags arbeiten, weil der Kindi mal wieder früher schließt? Wer entschädigt uns, wenn wir unsere Jobs verlieren, weil die Firma lieber jemand einstellt, der keine Kinder hat und der nicht immer wieder angekrochen kommt, weil der Kindi früher schließt? Was sagt denn die Stadt ihren Mitarbeitern, die früher gehen müssen? Zahlt die Stadtverwaltung den Mitarbeitern auch das volle Gehalt, obwohl sie nur halbtags arbeiten? Oder zahlen nur wir Kindergarteneltern den vollen Betrag und erhalten nur die halbe Leistung?

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