Leserbriefe

Die Hartz-IV-Lüge und fehlende Jobs

20.05.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Gerald Hau, Nürtingen. Zum Artikel „Erfolg nicht kaputt machen“ vom 3. April. Es ist dreist, was Herr Hennrich (CDU) so alles über Hartz IV verbreitet. Die große Koalition der Hartz-IV-Verantwortlichen – Michael Hennrich, Rainer Arnold, Uschi Eid und Guido Westerwelle – ist finanziell gut abgesichert und empfiehlt anderen Wasser statt Wein.

Zur Realität von Hartz IV bei der ARGE Nürtingen: Einem Akademiker (das gibt es tatsächlich) wird ein 1-Euro-Job auf dem Bauhof angeboten. Ob man sich beworben hat, interessiert dort niemand; Unterlagen gehen verloren. Seine Lebensversicherung muss man auflösen, aber die Senkung des Mehrwertsteuersatzes für Hotels gilt seit Januar. Ernsthafte Jobangebote werden nicht unterbreitet. Die Ermittlung des Vermögens von Menschen, die kein Geld und keine Arbeit haben, ist pervers. Die ARGEN sind eine Art nicht geheimer Finanzpolizei.

Eine Mammutbürokratie verwaltet die Armut in schicken Büros beim „Kaufland“ – ohne einen „Tag der offenen Tür“. Ausbildung und Lebenserfahrung eines Arbeitslosen sind den ARGEN egal. Der arbeitsuchende Mensch wird nicht gefördert, sondern abschätzig taxiert und verdächtigt, gar keine Arbeit zu suchen. Im Programm „Fordern und Mobben“ gibt es keine Fortbildungsangebote. Die Koalitionäre spielen Hartz-IV-Arbeitnehmer gegen Arbeitslose, Leiharbeiter gegen Minijobber, Deutsche gegen Ausländer und Ausgebildete gegen Unausgebildete aus. So schafft man Neid und Hass – und man soll dann bis 67 arbeiten, wenn man keine Arbeit hat. Ob der, der dieses System erfunden hat, nicht schon vorher Alzheimer hatte? Die Arbeitsagentur hat gelernt, wie man die Arbeitslosenstatistik legal fälscht, damit andere (Zeitarbeit) noch mehr Geld verdienen. Ich habe erlebt, wie Angehörige der CDU-Oberklasse mit Manager-Freunden nach ein paar Viertele über das Volk herziehen. Man kennt den Landesbank-Klüngel der CDU: Durch die Bankenrettung haben diese Leute ihr Schäfchen ins Trockene gebracht. Das Geld wurde unter anderem in Port Andratx auf Mallorca verbaut, dessen Bürgermeister mit meiner maßgeblichen Hilfe ins Gefängnis gebracht wurde. Wissmann, Oettinger und „Joschka“ haben dort regelmäßig Urlaub gemacht.

Herr Hennrich gibt sich pseudokritisch und spricht von Problemen bei Hartz IV. Ich fordere ihn auf, diese Probleme präzise zu benennen und im CDU-Büro Arbeit zu vermitteln, wozu die ARGEN nicht imstande sind. Die Hartz-IV-Koalition sollte sich schämen, dass es in einem der reichsten Länder der Welt in Nürtingen einen Tafelladen gibt für Menschen, mit denen sie nichts gemein haben wollen, denen sie Arbeitsscheu unterstellen, denen sie schamlos ihre eigene brillante Lebensführung entgegenhalten – Menschen, denen der unmenschliche Antrieb fehlt, sich in dieser brutalen Gesellschaft genauso rücksichtslos durchsetzen zu wollen, wie sie das selber tun.

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