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Die Flüchtlinge von Oberensingen

08.12.2012 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Dr. Michael Fietzek, Wolfschlugen. Zum Leserbrief „Die Oberensinger wurden nicht gefragt“ vom 5. Dezember. Täglich verfolgen wir die Horrormeldungen über Angst, Not und viele Tausend Tote – zum Beispiel in Syrien. Die TV-Bilder sind lebendig genug, um uns vielleicht kurz überlegen zu lassen, wie wir uns verhielten, müssten wir in dieser Bürgerkriegssituation leben.

Ich verstehe jeden jungen Syrer oder Pakistani, der unter solchen Umständen sagt: „Ich will hier raus. Ich will in diesem sinnlosen Gemetzel nicht sterben“.

Was ich schlechter verstehe, ist: Warum können wir in diesen Flüchtlingen nicht hoch motivierte junge Menschen sehen, die bei uns eine Überlebenschance suchen? Woher kommt dieser Reflex, in den Fremden nur die potenziell gefährlichen Übeltäter zu sehen? Was hindert uns daran, unvoreingenommen auf sie zuzugehen, ihren Traum zu bestätigen, wir seien eine wirklich humane Gesellschaft? Die Stadt Stuttgart hat unter ihrem scheidenden OB Schuster vorgemacht, was im Bereich Integration alles möglich ist. Die Stadt ist mit ihren integrationsfördernden Initiativen bundesweit spitze.

Auf den ersten Blick ist der Ärger der Oberensinger verständlich: Da schaffen die Bürger es, mit viel Engagement einen netten Ortskern in den städtischen Gremien durchzusetzen, und nun soll der okkupiert werden von Fremden. So hatte man nicht gerechnet. Wo bleibt da die viel beschworene Bürgernähe und -beteiligung? Mich befremdet der zynische Hinweis auf die derart entstehende „Belebung“ des Oberensinger Ortskerns. Ist es wirklich so, dass nur die Oberensinger alleine ihr Zentrum beleben können? Wie wäre es, wenn man sich etwas anderes vorstellte: Ein hilfsbereites, wohlwollendes Zugehen auf die Flüchtlinge, mit der Bereitschaft, etwas über ihre Schicksale zu erfahren. Möglicherweise erlebte man, dass die Angst dieser mit ihren Plastiktüten so fremd gefährlich aussehenden Männer vor uns Einheimischen noch größer ist als unsere Angst vor ihrer Gefährlichkeit.

Echte Lebendigkeit zeigt sich für mich in der Bereitschaft zu Kommunikation und Kooperation sowie im Austausch bei unterschiedlichen Gegebenheiten, Möglichkeiten und Meinungen. 4,5 Quadratmeter pro Person als Wohn- und Schlaffläche reichen zum Leben aus. Um sich lebendig entfalten zu können, sollte es etwas mehr sein.

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