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Die Energiepolitik muss sich schnell ändern

01.03.2022 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Thaddäus Kunzmann, NT-Oberensingen.

Der Krieg um die Ukraine stellt die ganze deutsche Energiepolitik infrage. Nach den bisherigen Planungen der großen deutschen Energieversorger wie zum Beispiel die EnBW sollen die mit Kohle betriebenen Kraftwerke (unter anderem Altbach) auf Erdgas umgestellt werden. Hierdurch wird der CO2-Ausstoß reduziert. Im Grunde vernünftig – die Frage bleibt: Woher kommt dieses zusätzliche Erdgas? Sicherlich nicht aus Russland.

Jetzt ist von Flüssiggas die Rede. Ein Anbieter dafür sind die USA, die ihr Gas extrem umweltschädigend durch Fracking gewinnen. Dabei werden Chemikalien in den Boden gepumpt, um Gesteinsschichten gasdurchlässig zu machen. Dieses wird anschließend verflüssigt, was den Wirkungsgrad um ein Viertel reduziert und dann mit Schiffen (wie werden die betrieben?) nach Europa transportiert. Fracking ist in Deutschland aus guten Gründen verboten. Um uns von der Abhängigkeit von Russland zu lösen ist es nicht ratsam, sich in die nächste Abhängigkeit zu begeben. Nirgendwo steht geschrieben, dass der nächste US-Präsident nicht wieder Donald Trump und die Staatsräson nicht wieder „America first“ heißt. Gibt es denn Alternativen? Ja, es gibt sie. Aber genau diese Alternativen beseitigen wir derzeit aktiv. Wir haben zur Jahreswende drei Kernkraftwerke in Deutschland abgeschaltet und zur nächsten Jahreswende werden wir auch die letzten drei KKWs abschalten. So ist der Plan. Diese sechs bis auf Weiteres am Netz zu lassen (beziehungsweise wiederzubringen) wäre eine Alternative – eine sehr klimafreundliche übrigens. Darüber hinaus gäbe es auch die Möglichkeit, den Kohleausstieg zu strecken. Damit könnten wir den Zwischenschritt durch Erdgaskraftwerke überspringen, um anschließend gleich auf Wasserstoff und erneuerbare Energien umzusteigen.

Dazu braucht es aber erst große Produktionsanlagen, Transport- und Speichermöglichkeiten sowie eine große Stromtrasse von Nord nach Süd. Und das braucht noch Zeit. Jedenfalls spielt die bisherige Energiepolitik (auch der neuen Bundesregierung) Putin in die Hände. Genau das weiß er und rechnet sie in seine Kalkulation ein.

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