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Leserbriefe

Die Bedeutung von Organtransplantationen

27.03.2012 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Dr. med. Werner Schmid, Oberboihingen. Zum Artikel „Ein hirntoter Mensch ist nicht tot“ vom 22. März. Herrn Dr. Bavastros Ausführungen und Ansichten respektiere ich, möchte aber einige mir wichtige Aspekte anfügen:

Das Schlagwort „Hirntod“ mag unglücklich gewählt sein, ist der Allgemeinheit aber einigermaßen vermittelbar. Sperrigere, exaktere Ausdrücke werden in Fachkreisen seit Langem diskutiert. Angehörige eines derart Erkrankten werden sorgfältig, gründlich und nach Bedenkzeit erneut und wiederholt aufgeklärt, ihre besorgten Fragen ausführlich beantwortet, auch an verschiedenen Tagen. Nur so kenne ich es.

Mit moderner Medizin kann man einzelne Organe lange funktionstüchtig erhalten. Nur solche Organe kann man transplantieren. Warten bis zur beginnenden Verwesung der Organe hieße, auf die allermeisten Organspenden zu verzichten, auch auf eine Augenhornhaut-Transplantation für einen zum Beispiel durch Verätzungs-Unfall erblindeten Menschen. Die Ansichten zur Feststellung des Zeitpunktes für die Freigabe zur Organtransplantation wurden und werden von Philosophen, Theologen, Ärzten, weiteren Wissenschaftlern und Praktikern aus verschiedenen Kulturen ausgiebig und gewissenhaft nach heutigem Wissen und Verständnis diskutiert. Was unsere „Seele“ oder vielleicht zu unterstellende „Organ-Seelen(?)“ einzelner Organe dabei machen, wissen wir heute nicht. Sogenannte „Nahtod“-Berichte stammen nicht von Toten.

Ohne funktionierendes Gehirn bin ich nicht mehr „ich“. – Als völlig hilflose „Organansammlung“ – Verzeihung! –, dessen Herz, Nieren oder Leber nur noch mit Hilfe von außen funktionieren, ohne jeglichen sozialen Kontakt, ohne Aussicht auf Wiedererlangung eigener Fähigkeiten möchte „ich?“ – „persönlich?“ – nicht sein.

Als Kinderarzt durfte ich drei schwerkranke, leidende Kinder nach gelungenen Organtransplantationen wieder mitbetreuen. Es war eine Freude für die betroffenen Kinder und alle beteiligten Personen, zu erleben, wie danach Kinder und Angehörige wieder auflebten, fröhlich, reif, selbstbewusst, selbstständig und leistungsfähig wurden.

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