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Leserbriefe

Die Auswirkungen der Digitalisierung

16.12.2016 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Raul Guerreiro, Nürtingen. Vor Kurzem wurde ich in der Spalte „Wir gratulieren“ erwähnt. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken. Nicht zuletzt weil eine liebe Nachbarin, die meinen Namen und Geburtsdatum in der Zeitung fand, überraschenderweise mir eine super leckere Schachtel Schokolade schenkte. Was ist aber ein Geburtstag? Im Wesentlichen ist es pure Vergangenheit, etwas passé, eine Zahl im Kalender. Durch einige Ziffern werden wir jedoch an den großartigen Moment erinnert, wann wir aus der geistigen Lebenshälfte gesprungen sind, um auf der irdischen Lebenshälfte eine neue Existenz zu inaugurieren. Man sagt: damit beginnt eine neue Kindheit. Was geschieht aber heute mit der Kindheit? Eine erschreckend sich vergrößernde Zahl von Menschen denkt heute, Kindheit ist einfach eine Phase, wo wir noch nicht „fit“ oder „kompetent“ zu leben und überleben sind.

Aber die moderne Psychologie, Anthroposophie, Gehirnforschung und die reine gesunde Beobachtung belehren uns seit Langem, dass die ersten Jahre des Lebens absolut entscheidend für das ganze Leben sind. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet geschieht heute in der Erziehungswelt ein grausiger Skandal: die robotische Digitalisierung des Lebens betritt einschmeichelnd das ehrfürchtige Domain der Kleinkinderziehung und -pflege, mit katastrophalen Konsequenzen für das Familienleben, für Kindertagesstätten, Kinderkrippen und Kindergärten sowie für die Gesellschaft allgemein. Wissenschaftliche Forschungen haben entlarvt, wie in Zukunft die außer Kontrolle geratene Digitalisierung der Kindheit eine vernichtende Korruption der gesamten menschlichen Rasse verursachen kann. Kinder und junge Menschen im schulischen Alter, die Umgang mit digitalen Medien wie Fernsehen, Tablets, Smartphones, Videogames haben, leiden unter anderem an Bewegungslosigkeit, Isolation, Störungen der Sprachentwicklung und Aufmerksamkeit, geringerem Bildungsniveau, Neigung zu Übergewicht, Neigung zu kriminellem Verhalten, schlechten Noten, geringerer Lebenszufriedenheit, vermehrter Depressivität, Kurzsichtigkeit, Schlafstörungen und Suchtverhalten. All das liegt heute wissenschaftlich belegt auf dem Tisch.

Demgegenüber gibt es keine belastbaren Erkenntnisse zu den immer wieder hoch gepriesenen positiven Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern. Bildungspolitiker verordnen aber zurzeit riesige Investitionen in Technologien für den neuen Sektor und schieben blind alle Risiken und Nebenwirkungen der digitalen Informationstechnik zur Seite.

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