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Deutschland hat auf Krise gut reagiert

20.05.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Johannes Heimann, Nürtingen. Zu Beginn der Coronakrise lernte ich, meine Mitmenschen in zwei Gruppen zu unterteilen: solche, die exponentiell verlaufende Kurven und damit den Lock-down verstehen, und solche, die noch an fünf Fingern abzählen. Angela Merkel gehörte als studierte Physikerin zu den ersteren. Boris Johnson dagegen schlug alle Warnungen in den Wind. Er war noch im Taumel seines Brexit-Sieges, schüttelte fleißig Hände, steckte sich an SARS-CoV2 an, brachte damit auch seine damals noch schwangere Partnerin in Gefahr, versagte also schon im kleinen Rahmen und muss nun – angesichts entsetzlich hoher Sterberaten – als Spätversteher, und mit ihm die von ihm Regierten, mit viel einschneidenderen Freiheitsbeschränkungen, als wir sie jemals hatten, nachholen, was unsere Physikerin früh erkannte und umsetzte.

Es gehört zu wissenschaftlichem Denken, dass Ergebnisse vorläufig sind und durch Erfahrungen korrigiert werden. Wer heute über SARS-Cov2 noch so denkt wie Anfang März, liegt vermutlich falsch. Dass die Virologen heute zum Beispiel zum Thema Mundschutz etwas anderes sagen als damals, macht sie mir vertrauenswürdig. Unsere Regierung trifft die ihre Entscheidungen auf der Basis des heute gegebenen Wissens und weiß, dass in der Rückschau vielleicht die eine oder andere Entscheidung falsch gewesen sein mag.

In Schottland gab es einmal einen Philosophen, David Hume, der klar machte, dass aus Wissen niemals direkt ein Sollen abgeleitet werden kann. Konkret: Die schwere Entscheidung zwischen Einschränkungen der Grundrechte und Kontrolle der Infektion ist eine ethische und politische und keine wissenschaftliche. Und hier hatten wir deutlich weniger Einschränkungen als in fast allen Ländern der Welt. Wer mit dem noch liberaleren Schweden kommt, möge mir erklären, warum in Stockholm die Infektionsrate zwölfmal so hoch ist wie in Hamburg.

Wer lautstark protestierend auf Deutschlands Straßen unterwegs ist, demonstriert seine eigene Uneinsichtigkeit. Er möge bedenken: Bei vergleichbarer Bevölkerungszahl gibt es (Stand 11.Mai 2020) im Vereinigten Königreich 32 141, in Deutschland 7 760 mit Corona in Zusammenhang stehende Todesfälle. Als älterer Mitbürger mit einer chronischen Erkrankung kenne ich kein Land, in dem ich derzeit lieber sein würde.

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