Leserbriefe

Der Wanderfalke und der Mensch

08.06.2012, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Gerhard Jakob, Neckartenzlingen. Zum Artikel „Wenn der Vogel nicht heimkommt“ vom 4. Juni. Mit Staunen und Kopfschütteln habe ich den Artikel Wanderfalke versus Brieftaube gelesen. Der Bericht strotzt nur so von Ungenauigkeiten und ausgesprochen falschen Behauptungen. So heißt es in dem Bericht zum Beispiel wörtlich: Früher fraßen die Greifvögel auch Rebhühner, Hasen oder Fasane, aber die findet man heute im Wald eher selten. Was soll man dazu nur sagen? Rebhühner und Fasanen sind Steppenvögel und leben bei uns auf offenem Feld, sofern sie überhaupt noch vorkommen, aber niemals im Wald. Und die Hasen? Sie leben zwar auch im Wald, gehören aber gar nicht zum Beuteschema des Wanderfalken, der nur von Vögeln lebt. Im Übrigen zeugt es nicht von großer Sachkenntnis, den angeblichen Nahrungsmangel für den Rückgang des Wanderfalken in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg verantwortlich zu machen. Die Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz hat des Öfteren dokumentiert, dass für den Rückgang des Wanderfalken bei uns in Süddeutschland allein die Verfolgung durch den Menschen, vor allem die Falkner, aber auch die Taubenzüchter verantwortlich ist.

Völlig unverständlich ist die Behauptung, dass Nischen von Felsen und Steinbrüchen heute seltener seien als früher und die Wanderfalken aus diesem Grund auf Kirchtürme ausweichen. Der Wanderfalke ist in Süddeutschland schon immer Felsbrüter und nimmt daher auch Gebäude als Nistplatz an, wie andere ursprüngliche Felsbrüter auch, zum Beispiel der Hausrotschwanz. Schon vor hundert Jahren brüteten Wanderfalken auch in Kirchtürmen. So ist zum Beispiel im Jahr 1919 am Feuersee im Stuttgarter Westen ein Wanderfalke geschossen worden, der auf dem Turm der Johanneskirche gebrütet hatte, übrigens auf Betreiben der Taubenzüchter.

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