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Leserbriefe

Der Vorschlag wurde damals nicht verfolgt

30.03.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hans Köhler, Bürgermeister a. D., Wendlingen. Zum Artikel „Machbarkeitsstudie soll dieses Jahr noch vergeben werden“ vom 20. März. Der Verband Region Stuttgart will sich an einer Machbarkeitsstudie für eine Schienenverbindung von Kirchheim über Bad Boll und Göppingen nach Schwäbisch Gmünd beteiligen. Das ist gut so, denn nur über ein attraktives und vernetztes Schienenangebot in die Fläche kann man dem zunehmenden Kfz-Verkehr wirksam begegnen. Doch, wie schon so oft in Fragen des Schienenverkehrs, springt der Verband zu kurz. Denn die Schienen in Kirchheim gehen weiter in Richtung Wendlingen, wo sie auf die Strecke Stuttgart – Tübingen treffen und der Reisende, zum Beispiel aus Schwäbisch Gmünd, in Richtung Tübingen umsteigen könnte. Wegen des Nadelöhrs der eingleisigen Strecke zwischen Wendlingen und Kirchheim mit vier schienengleichen Bahnübergängen in Wendlingen ist das bislang nicht möglich, weil ein Zug aus Schwäbisch Gmünd nicht bis dorthin durchfahren könnte.

In die Machbarkeitsstudie muss deshalb unbedingt der Streckenabschnitt zwischen Kirchheim und Wendlingen einbezogen werden, und zwar nach meiner festen Überzeugung mittels einer zweigleisigen Südumfahrung der Stadt Wendlingen. Dann kriegt man auch einen Viertelstundentakt der S-Bahn nach Kirchheim hin. Die Region hat schon einmal, ganz zu Beginn der Planungen für die Schnellbahntrasse Stuttgart – Ulm, zusammen mit den anderen Beteiligten Land, Bund und Bahn, versäumt, Chancen für den Nah- und Regionalverkehrs zu berücksichtigen.

Die Idee eines Neckartalbahnhofs in Wendlingen, der die Schnellbahntrasse mit der Trasse Stuttgart – Tübingen verknüpft hätte, und die damals geplante zweigleisige Umfahrung der Stadt Wendlingen für die S-Bahn wurde aus Kostengründen ebenso nicht weiterverfolgt wie mein damaliger Vorschlag einer Verbindung der Schnellbahntrasse mit der Strecke nach Ulm/München durch entsprechende Kurven in Wendlingen und Plochingen. Diese Schienenverbindung hätte den Menschen aus dem Raum Göppingen/Geislingen die Möglichkeit verschafft, die Arbeitsplätze im Raum Böblingen/Sindelfingen/Herrenberg mit der Bahn zu erreichen, und die B 10, die B 313, die A 8 und die A 81 zu entlasten. Das nenne ich Sparen am falschen Platz, denn es war damals schon erkennbar, dass der Kfz-Verkehr erheblich zunehmen wird. Ich wünsche mir für die Zukunft den Weitblick der „königlichen Planer“ aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und dass die Planung und Realisierung von Neubaustrecken nicht mehr 20 Jahre und länger benötigen. Denn der Ausbau eines attraktiven Schienennetzes ist „Klimaschutz in bestem Sinne“!

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