Schwerpunkte

Leserbriefe

Der Nationalpark wird kommen

19.10.2013 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Gerhard Jakob, Neckartenzlingen. Zum Leserbrief „Der Nationalpark ist unverantwortlich“ vom 12. Oktober. Seit Jahren verfolge ich die Diskussion um den Nationalpark Schwarzwald, anfänglich mit Staunen, später mehr und mehr mit Unverständnis. Im Ernst: Was spricht eigentlich gegen die Einrichtung eines Nationalparks im Nordschwarzwald? Wer wissen will, auf welch schwachen Füßen die Argumentation der Nationalparkgegner ruht, der lese den Leserbrief von Martha von Frantzius aus Grötzingen. Hier stimmt doch rein gar nichts! Dazu passt, dass Frau von Frantzius die Befürworter des Nationalparks für Ideologen erklärt, die natürlich allesamt keine Ahnung haben.

Dass sie es ist, die nicht versteht, worum es eigentlich geht, beweist sie mit ihrer Äußerung, der Schwarzwald sei seit Generationen eine intakte, höchst gepflegte Region. Das ist es ja gerade! Wir wollen Natur, wir wollen Ökologie, aber nicht gezähmt und gepflegt, sondern einfach so, wie sie ist. Mal sehen, was dabei herauskommt. Dabei ist das Gebiet, um das es geht, so lächerlich klein, dass man sich fast schämt, dafür das Wort Nationalpark in den Mund zu nehmen.

Ich erspare mir, auf die wilden Fantasien über die Kosten des Nationalparks einzugehen, ich frage nur: Wie kann sich das strukturschwache Mecklenburg-Vorpommern mit nur wenig mehr als eineinhalb Millionen Einwohnern gleich drei Nationalparks leisten? Doch der ganz dicke Hammer kommt erst noch: Frau von Frantzius behauptet, der allergrößte Teil der Eigentümer des Waldes sei gegen den Nationalpark, sie müssten gegen ihren Willen überstimmt und enteignet werden. Frau von Frantzius stellt damit Baden-Württemberg auf eine Stufe mit der ehemaligen DDR. Eine solche Behauptung in die Welt zu setzen halt e ich für fast schon justiziabel. War in der Nürtinger Zeitung nicht wiederholt zu lesen, dass für den geplanten Nationalpark nur Staatswald in Anspruch genommen wird? Wo also ist dann die Beschränkung für Privatwaldbesitzer?

Alles Stimmungsmache, heiße Luft. Aber wie kommt es zu solch irrationalen Protesten in einer ganzen Region? Ich sehe die Antwort im Psychologischen, in dem uralten Dualismus Land gegen Stadt, in der Abneigung gegen das ferne, ungeliebte Stuttgart. Von dem man sich nicht in seine Angelegenheiten dreinreden lassen will. Aber auf solche irrationalen Regungen kann man natürlich keine politischen Entscheidungen gründen. Deshalb wird der Nationalpark auch kommen, schade nur, dass er so klein wird.

Leserbriefe