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Leserbriefe

Der alte und der neue Bürgermeister

11.11.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Helmut Weber, Aichtal-Neuenhaus. Den abgewählten Bürgermeister zu schätzen, war und ist keine Kunst; als Bürgermeister und Mensch wird eine wache Mehrheit (zu der auch Wahlverweigerer gehören) den scheidenden Bürgermeister Kruß, nach vielen Jahren der Fürsorge für die Stadt Aichtal, in bester und dankbarer Erinnerung behalten müssen. Was zu bemerken wäre, ist seine Streitkultur – eine politische Gangart, die mit dem Richtigen den Konsens suchte, obwohl die Faust auf dem Tisch häufig angemessener gewesen wäre – aber das ist Charaktersache und ein leider noch zu wenig geübtes Verständigungsmittel in heutigen politischen Auseinandersetzungen, die mit einer reinen Befriedungs- beziehungsweise Ausgleichs-Dialektik immer weniger zielführend sind. Wie bundesweite Ereignisse sehen lassen, haben die meisten Amtsinhaber der Gemeinde-Exekutiven heute dieses Problem; sie sind mit einer Bürgermitnahmeabsicht unterwegs, die insofern konterkariert wird, da die Population eigennütziger aggressiver Besserwisser in den Bürgerschaften sich pandemisch zeigt – mit eine Folge von Überdemokratisierung, die dem eigentlichen Handeln weniger und auch weniger zeitbestimmte Möglichkeiten gibt.

Noch eine Bemerkung zur Nachwahlzeit: Gegnerschaften mit dem Ziel einer Kandidatenfavorisierung haben nach der Wahl kein Bleiberecht. Außerdem verpflichtet uns das Votum, dieses anzuerkennen und gemeinschaftlich zu schultern. Einen neuen Amtsträger zu belauern, was ihm nicht gelingt beziehungsweise nicht gelingen kann, ist nicht mit einer Empathie für einen unterlegenen Wunschkandidaten begründbar. Dass jeder gelegentlich zu solcher Art „Rächung“ neigen mag, macht es nicht besser.

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