Leserbriefe

Der 24. März 1999

24.03.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hellmut Kuby, Nürtingen. Wenn man bedenkt, welche Ereignisse sich 2009 jähren und zwar vor einer runden Zahl von Jahren, kann man von einem Gedenkjahr sprechen: 1989 Fall der Mauer, Deutschland wieder ein Staat. 1969 Erste Landung von Menschen auf dem Mond. 1949 Gründung der Bundesrepublik Deutschland (BRD). 1939 Beginn des 2. Weltkriegs, Bombenattentat auf Hitler durch Georg Elser. 1929 Weltwirtschaftskrise. 1919 Erste deutsche Demokratie, die sogenannte Weimarer Republik, Wahlrecht für Frauen, Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, Gründung des Bauhauses. Ich will an einen Tag erinnern, der erst 10 Jahre zurückliegt, an den 24. März 1999. Für mich ist es der traurigste Tag der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Seit diesem Tag ist Deutschland wieder ein kriegführendes Volk. Davor hat das furchtbare Kriegsgeschehen von 1939–1945 (mit all seinen Folgen), das die Menschen am eigenen Leib erlebt hatten, auch Politiker über 50 Jahre lang von Kriegsgelüsten abgehalten, obwohl die BRD schon bald nach ihrer Gründung eine Verteidigungsarmee aufgestellt hatte, um Soldaten auszubilden, die ihr Land und ihre Mitmenschen schützen sollten.

Nun, im März 1999, nahm Deutschland unter Führung von Rot-Grün und ihren Spitzenpolitikern Gerhard Schröder und Joschka Fischer an einem völkerrechtswidrigen Krieg, dem sogenannten Kosovokrieg, aktiv teil – nicht aus freien Stücken, sondern auf Druck der USA („Wir konnten doch nicht anders“). Die Begründungen waren schon dann als hochgradig volksverdummend: Mit Bombenabwürfen aus 10 000 Meter Höhe sollten Menschenrechtsverletzungen verhindert werden.

Nachdem sich die USA und die (unter sich uneinigen) Europäer jahrelang halbherzig der politischen, ethnischen und religiösen Probleme in Exjugoslawien angenommen hatten, kehrte man zu der so bewährten Gewaltanwendung zurück, Krieg (der Nato) als (besseres) Mittel der Politik, nicht als ultima ratio. „Es begann mit einer Lüge“, wie ein WDR-Film 2001 akribisch nachgewiesen hat. Und was ist das Ergebnis dieses Krieges? Heute:

Die Lage in Exjugoslawien ist katastrophal trotz aller Schönrednerei. Und daran wird sich dort in absehbarer Zeit nichts ändern, genauso wenig wie in Afghanistan und im Irak (den beiden nächsten Ländern, die die USA durch Krieg zur Räson bringen wollten), gleichgültig, ob noch Kriegszustand herrscht oder nicht. Und wir Deutschen sind dabei, offiziell oder heimlich. Seit dem 24. März 1999 kann man sich darauf verlassen, dass deutsche Politiker deutsche Soldaten wieder in Kriegseinsätze schicken – nicht nur zur Verteidigung des Vaterlandes.

Leserbriefe

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