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Leserbriefe

Den Letzten beißen die Hunde

21.03.2012 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Jochen Findeisen, Schlaitdorf, Pressesprecher DIE LINKE Kreisverband Esslingen. Zum Kommentar „Blutiger Rückzug“ und zum Artikel „Der Krieg ist verloren“ vom 16. März. Dem Kommentator Feyder kann wohl nicht widersprochen werden, wenn er feststellt, dass in dem von Präsident Karsai baldmöglichst gewünschten Rückzug aus Afghanistan die Deutschen die Hauptlast des Rückzugs zu tragen haben. Den Letzten aber beißen die Hunde! „Gebissen“ werden aber nie die Politiker, die den Afghanistaneinsatz zu verantworten haben. Es waren 53 deutsche Soldaten, die bis jetzt in diesem Krieg die Entscheidung deutscher Politiker mit ihrem Leben bezahlen mussten. Auch der Steuerzahler wurde „gebissen“! Bereits vor zwei Jahren errechnete das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), dass die Beteiligung am Afghanistan-Krieg Deutschland etwa 36 Milliarden Euro an Steuergeldern kosten würde. Für 2012 dürfte diese Berechnung nach oben zu korrigieren sein.

Diejenigen, die in diesem Lande in die politische Verantwortung gewählt wurden, haben dieses Mandat nicht bekommen, dass weiterhin die große Mehrheit der Deutschen zu den „Gebissenen“ gehört und nur wenige nicht gebissen werden oder gar die Lizenz zum Beißen haben. Es ist schlimm, dass auch in unserem Wahlkreis Leute in den Bundestag gewählt wurden, die von einem Rückzug aus Afghanistan wenig oder gar nichts wissen wollen. Rainer Arnold (SPD), einer der wichtigsten Befürworter des Afghanistan-Einsatzes, glaubt immer noch, dass die Bedenken etwa des Bundeswehrverbandes gegen den Abzugstermin 2014 begründet und berechtigt seien. Michael Hennrich (CDU) stimmte für die Verlängerung des ISAF-Mandates. Frau Skudelny (FDP) spricht sich für einen Abzug der „Kampftruppen“ im Jahre 2014 aus. Bleiben dann nur noch die Feldköche, das Musikkorps und „Schreibstubenhengste“ im Land oder wird der Krieg mit unbemannten „Drohnen“ weitergeführt? Speziell für die Baden-Württemberger und Bayern wird die Fortsetzung dieses Einsatzes eine weitere, schreckliche Perspektive eröffnen. 2013 wird die 10. Panzerdivison das ISAF-Kommando Nord übernehmen. In diesem Großverband dienen viele Soldaten aus unserer direkten Umgebung. Das heißt, dass noch mehr an Leib und Seele Versehrte und leider auch mancher Sarg auch in Kirchheim, Frickenhausen, Neuffen und Nürtingen ankommen wird.

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