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Den Grünen fehlt nur noch ein Gartenzwerg

15.12.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Rolf Weber, Nürtingen. Zum Artikel „Stadt und Land im Fluss“ vom 2. Dezember. Getragen von einem breiten Unmut über die damalige Politik im Lande (insbesondere zu S21) haben sich Anfang der 2010er-Jahre viele (Stamm-)Wähler von der CDU abgewandt. Infolgedessen kam es bundesweit zum ersten grünen OB (Fritz Kuhn) einer Landeshauptstadt und zur ersten Landesregierung unter grüner Führung (Winfried Kretschmann).

Die Chance, grüne Kernthemen voranzubringen, zu Leuchttürmen für andere (Groß-)Städte, Länder oder gar den Bund werden zu lassen, wurde weitgehend vergeben. Stattdessen wurde der Tagespolitik der Vorzug gegeben. Nicht gestalten, sondern eher verwalten war und ist bis heute die Prämisse politischen Handelns. Das geht nur eine Zeit lang gut. Wohlweislich hat Fritz Kuhn nach acht Jahren als OB bemerkt, dass sein Freifahrtticket für eine zweite Amtszeit schon im ersten Wahlgang abgelaufen wäre und hat rechtzeitig auf eine erneute Kandidatur verzichtet.

Bemerkenswert der getrübte Blick der Grünen (und OB-Kandidatin) bis zum desaströsen Ergebnis des ersten Wahlgangs. Auch im grünen Stammland ersetzt das persönliche Auftreten nicht auf unbegrenzte Zeit gestalterische und zukunftsorientierte Defizite, sei es nun für Stuttgart oder das Land. Seit über 30 Jahren vertritt Kretschmann den Wahlkreis Nürtingen, Vor- und Anstöße zur S-Bahn-Station Nürtingen: Fehlanzeige. Auch Matthias Gastel, verkehrspolitischer Sprecher im Bundestag, ist erst nachträglich auf den fahrenden Zug aufgesprungen. In diesem Kontext sollten sich einmal Herr Kunzmann und Frau Pfuderer mit ihren Leserbriefen vom 18. und 28. November an die eigene Nase fassen.

Die grüne DNA (von Kernpositionen) zerfasert zunehmend und wird auf dem Altar des/der Machterhalts oder -gewinnung geopfert. Anbiederung nicht zuletzt in Richtung anderer Wählerschichten ist jetzt angesagt und wurde zum Credo erhoben. Der virtuelle Parteitag der Grünen am 21. November setzte bemerkenswerte Akzente: So der wie ein Wohnzimmer drapierte Raum, in dem die grüne Doppelspitze auf dem Sofa saß. Zur Abrundung fehlte nur noch ein Hirschkopf an der Wand und ein Gartenzwerg in einer Vitrine.

Der grüne Führungsanspruch gipfelte in der Aussage „Macht kommt von machen“ von Robert Habeck. Davon ist im Ländle bisher wenig zu spüren. Katrin Göring-Eckardt glänzte mit der Aussage „Die Grünen waren noch nie eine pazifistische Partei“. Die Grünen sind zur- zeit in der Biedermeierphase und werden – wenn überhaupt – künftig nur als Juniorpartner in Land und Bund mitregieren.

Leserbriefe

Nawalny und das russische Volk

Hartmut Schewe, Aichtal-Neuenhaus. Zum Leserbrief „Der besondere Blick auf Putin“ vom 11. Januar. Ei, was ist er doch für ein Tausendsassa, der „gute Russe Nawalny“. Russische „Gönner“ bezahlen seine Behandlung in Berlin. Welcher Art die wohl sind? 30 000 Dollar investiert er (woher kommt das…

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