Leserbriefe

Demokratischer Zeigefinger

10.12.2014 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Karl-Heinz Frey, Nürtingen. Zum Artikel „Auch alle Wörth-Petitionen gescheitert“ vom 22. November. Es sieht danach aus: Eine Mitwirkung des Volkes bei einer Entscheidung, die dieses Volk später ertragen muss, ist nicht erwünscht. Getreu nach dem Satz des Aphoristikers Gabriel Laub: Alle Macht geht vom Volke aus und kehrt nie wieder zurück. Verwaltungen, die selbstherrlich agieren und sich nicht um den Souverän (Grundgesetz) kümmern. Nimmt man die letzte Information zu Bauplanungen der Stadt, dann kann man nur noch stauen, wie zum einen die Bürgerschaft und zum anderen der Gemeinderat für dumm verkauft wird.

Eine Verwaltung hat die Aufgabe, Beschlüsse eines Gemeinderates oder Parlamentes umzusetzen und nicht eigene Entscheidungen. Es ist wirklich an der Zeit, das zu verändern. Wer die letzten Jahre verfolgt hat, weiß, wie stark sich große Teile der Bürgerschaft für eine lebenswerte Stadt eingesetzt haben. Da nicht alle gleichzeitig reden konnten, ist es auf ein paar Delegierte rausgelaufen. Jetzt diese Gruppen in eine Ecke stellen zu wollen zeigt einen Nachholbedarf in Sachen Demokratie. Es wurden die Mittel benutzt, die gesetzlich vorgesehen sind, dass sie einer Auslegung unterliegen, war in Kauf zu nehmen. Dass aber sich so gut wie alle Institutionen vor einer zukunftsfähigen Überprüfung der vorgebrachten Argumente gedrückt haben, ist zu bedauern. Man hat die Verwaltungslösung bevorzugt und ist damit auf dem Weg der Macht geblieben. Vernünftig war das nicht. Nürtingen verliert einen lebenswerten Platz am Neckar (Wörth), an einem steilen Ufer kann man nicht spielen.

Am Neckar hätte für die Bürgerschaft ein einzigartiger Zugang zum Fluss entstehen können. Ein Umdenken fand auch beim Großen Forst nicht statt. Dort wäre eine zukünftig wichtige Fläche für die Lebensmittelproduktion erhalten geblieben. Sie wurde immerhin über 6000 Jahre für den Ackerbau genutzt. Momentan gibt es meiner Ansicht nach nur Verlierer. Immer mehr neue Bauten und für die schon vorhandenen fehlen langfristig die Mittel. Wir sind ja inzwischen nicht mehr in der Lage, diese Substanz zu erhalten. Mit immer mehr Wachstum, auch in Abgaben, ist nichts zu gewinnen.

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