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Leserbriefe

Demokratie und die Impfgegner

29.11.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Dietmar Hierl, Oberboihingen.

Eine vor Kurzem geführte Unterhaltung mit einem (Ver-)Querdenker und Impfgegner hat mich zu folgendem Leserbrief „genötigt“. Seiner Meinung nach handelt es sich um keine Pandemie. Er berief sich auf sein Selbstbestimmungsrecht, was ihm das Grundgesetz ja zusichere, derweilen er das „System“ mit seinen „korrupten und verlogenen Institutionen“ und „unwissende“ Geimpfte angreift. Unkenntnis kann man durch Informationen begegnen. Wenn ich natürlich meine Informationen bei „Dr. Hildmann“ und Konsorten im Internet mir beschaffe, bekomme ich Angst. (Ver-)Querdenker schüren mit bewusst falschen Informationen diese Angst! 0,012 Prozent der Bevölkerung sind bis jetzt an Covid gestorben, richtig. Im Mittelalter hat es oftmals die Hälfte der Bevölkerung durch zum Beispiel die Pest dahingerafft.

Wir leben nicht mehr im Mittelalter (manche geistig schon)! Bis jetzt sind an der Impfung 0,002 Prozent gestorben (55 Millionen Geimpfte/1300 Tote), Infizierte (fünf Millionen/100 000 Tote) satte zwei Prozent! Jeder Bürger hat ein Anrecht auf seine Grundrechte. Jeder Bürger hat aber auch Pflichten (rechtliche wie auch moralische) gegenüber seinen Mitmenschen, was von „euch Impfgegnern“ gerne mal vergessen wird. Dazu gehört unter anderem das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Wer als „mündiger“ Bürger sich entscheidet, in der Spielstraße 100 zu fahren, wird vom Staat (wir alle) bestraft, indem er vom weiteren Straßenverkehr als Kraftfahrer ausgeschlossen wird.

Der mündige Bürger hat seit circa 45 Jahren nicht mal mehr das Recht, ohne Gurt (der nur ihn selber an Leib und Leben schützt) Auto zu fahren. Solche Maßnahmen und Gesetze haben Mehrheiten beziehungsweise ihre Vertreter in einem freiheitlichen Staat bestimmt und das Ganze nennt man Demokratie. Wem dies nicht passt, kann sich selbstbestimmt und mündig dazu entschließen, diese „Demokratiediktatur“ zu verlassen und sich gerne am Südpol ansiedeln! Keiner hält ihn auf. Wenn er sich aber dazu entschließt, in diesem (seiner Meinung nach) „korrupten und beschissenen“ Staat zu verbleiben, hat er sich an dessen Regeln und Gesetze, die von Mehrheiten bestimmt werden, zu halten!

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