Leserbriefe

Das Denkmal für Gottlob Bauknecht

16.11.2019 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Professor a. D. Helmuth Kern, Neckartenzlingen. Zum Artikel „Ein Denkmal für Gottlob Bauknecht“ vom 24. Oktober. Neckartenzlingen wird bald Teil einer dezentralen württembergischen Walhalla sein. Im Rahmen des Projekts des bekannten Gerhard Raff aus Degerloch wird dem gebürtigen Neckartenzlinger Gottlob Bauknecht mit einer ionischen Säule aus Juramarmor ein Denkmal gesetzt werden, so hat es die Mehrheit des Gemeinderats kürzlich beschlossen. Dass aufklärendem Erinnern gerade heute große Bedeutung zukommt, ist unbestritten. Doch damals, beim 1842 eingeweihten Monumentaldenkmal der Walhalla bei Regensburg, ging es um die Suche nach einer nationalen Identität in der Vergangenheit. Auftraggeber war König Ludwig I. von Bayern, Auslöser war die als demütigend empfundene politische Lage seiner Zeit. Das wird auch im Namen Walhalla deutlich: Walhall, das nordische Kriegerparadies.

Die Intention dieses Nationaldenkmals ist im Gedenkstein festgehalten: „Möchte Walhalla förderlich sein der Erstarkung und der Vermehrung deutschen Sinnes! Möchten alle Deutschen, welchen Stammes sie auch seien, immer fühlen, dass sie ein gemeinsames Vaterland haben, ein Vaterland, auf das sie stolz sein können, und jeder trage bei, soviel er vermag, zu dessen Verherrlichung.“ In diesem Kontext einer rückwärtsgewandten nationalen Identitätsbildung im 19. Jahrhundert und den aktuellen Bestrebungen einer offenen Gesellschaft und eines tragfähigen Europa im 21. Jahrhundert erscheint mir das Denkmal für Gottlob Bauknecht unpassend und aus der Zeit gefallen. Das wird durch die historisierende Gestaltung des Denkmals als ionische Säule deutlich, dem flachen Reliefmedaillon, den mächtigen Versalien, römische Inschriften erinnernd. Vollends unpassend ist das Motto „Bauknecht weiss, was Frauen wünschen“ – problematisch gesehen bereits in den 1970er-Jahren.

Wenn im Neckartenzlinger Gemeinderat kritische Stimmen zum Erscheinungsbild des Denkmals laut wurden, zeigt dies Sensibilität dafür, dass Form, Funktion, Wirkung und Bedeutung zusammengehören. Schließlich feiern wir 2019 „100 Jahre Bauhaus“!

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