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Leserbriefe

Das Coronavirus und die Klimakrise

09.05.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Dr. Johannes Heimann, Nürtingen. Vier Wege sind denkbar aus der Corona-Krise: Die Impfung: Gegen sehr viele Viruserkrankungen ist auch nach jahrzehntelanger Forschung keine Impfung möglich. Alles, was ich von SARS-Cov2 weiß, lässt mich zweifeln, dass es je eine wirksame Impfung gibt. Hoffentlich habe ich unrecht!

Medikamente: Bekanntlich haben Viren keinen eigenen Stoffwechsel, sondern missbrauchen den der menschlichen Wirtszelle. Alle virusbremsenden Mittel setzten also an menschlichen Stoffwechselvorgängen an und sind entsprechend nebenwirkungsreich. Es wird vielleicht begrenzt wirksame Medikamente geben, aber nur für eine kleine Untergruppe von Erkrankten in kritischer Situation.

Herdenimmunität: Diese besteht (vielleicht), wenn von 80 Millionen Einwohnern in Deutschland 60 bis 70 Prozent, also etwa 50 Millionen Menschen die Infektion durchgemacht haben. Bisher sind circa 160 000 Infektionen gesichert. Selbst bei einer unrealistisch hohen Dunkelziffer fünfmal so hoch wäre dies noch nicht einmal eine Million, und das Ziel einer „Herdenimmunität“ wäre bestenfalls zu ein bis zwei Prozent bewältigt – mit über 6000 Toten. Gesetzt den Fall, es würden pro Monat vier Prozent der Bevölkerung krank werden, so würde dies eineinhalb Jahre dauern. Also völlig unmöglich.

Mit dem Virus leben: handygesteuerte Rückverfolgung möglicher Infektionsketten, immer wieder aufflackernde Ausbrüche, immer wieder unplanbare Lock-down-Phasen, und dies über Jahre. Dennoch ist die Coronakrise eine kleine Krise – verglichen mit dem, was kommen wird. Die Menschheit wird SARS-Cov2 überleben. Die ohne Zweifel auf uns zukommende Klimakatastrophe hat dagegen das Zeug, die Menschheit insgesamt in Frage zu stellen.

Dumm, wer beide Krisen gegen einander ausspielen wollte. Die Einschränkungen, die SARS-Cov2 von uns verlangt, sind eine läppische Vorübung für das, was die Klimakatastrophe von uns verlangen wird. Und vielleicht auch die letzte Chance innezuhalten: In welche Zukunft wollen wir? Was soll wieder hochgefahren werden? Inlandsflüge von Frankfurt nach Berlin? Drei Mal pro Jahr Urlaubsflüge? Noch PS-stärkere Autos? Waffenexporte? Zwei Prozent des Bruttosozialprodukts für Rüstung? Gegen wen? Wenn wir jetzt den Lock-down nicht zum Umsteuern nutzen – wann dann? Nichts wird wieder so sein, nichts darf wieder so sein wie vorher.

Leserbriefe

Von der Kirche im Stich gelassen

Eugen Wahl, Nürtingen. Zum Artikel „Als ,Friedenshetzer‘ verfemt“ vom 23. Mai. Hermann Umfrid – Sohn des „Friedenshetzers“: Ein ähnliches Schicksal wie das des als „Friedenshetzer“ diffamierten Otto Umfrid musste dessen Sohn Hermann (1892-1934) als Pfarrer im hohenlohischen Niederstetten…

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