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Leserbriefe

Corona-Krise und die Maßstäbe

26.03.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Wolfgang Stark, NT-Raidwangen. Messen wir mit zweierlei Maß? Wir haben uns seit Jahren daran gewöhnt, dass auf der Welt jährlich hunderttausende Menschen an Hunger und Krankheiten sterben, obwohl es für unsere Wohlstandsgesellschaft ein Leichtes wäre hier Abhilfe zu schaffen. Dagegen kämpfen wir in der westlichen Welt mit einer hochgerüsteten Medizin um jedes Leben (was ich nicht in Frage stellen möchte). Das Leben zu schützen geht so weit, dass wir hierzulande bis vor kurzem per Gesetz nicht einmal selbst entscheiden durften, ob wir bei einer schweren Krankheit mit Unterstützung aus dem Leben scheiden können.

In Zeiten von Corona bekommt das Messen mit unterschiedlichen Maßstäben nun eine neue Dimension, denn es findet jetzt auch im eigenen Land statt. Wir akzeptieren es ohne Protest, dass in jedem Jahr nachweislich (laut RKI) circa 20 000 Menschen an Krankenhauskeimen sterben. Andere Länder gehen hier konsequenter vor und zeigen uns, dass die Zahl weitaus geringer sein könnte, wenn hier mehr Geld für Hygienemaßnahmen investiert werden würde. Auch schließen wir nicht in jedem Winter die meisten Geschäfte und fahren die Wirtschaft auf fast null herunter, obwohl in einem normalen Grippejahr einige hundert, in Epidemiejahren teilweise mehrere zehntausend Menschen hierzulande sterben (und hier sind es wieder vor allem die Alten und Kranken).

Woher kommt diese unterschiedliche Wahrnehmung derselben Ereignisse? Sterben nicht in jedem Fall Menschen die es zu schützen gilt? Vielleicht sollten wir die Ruhe, welche wir durch die aktuelle Situation verordnet bekommen haben dazu nützen, mal über dieses ambivalente Verhalten nachzudenken. Sollte es nicht ein Gebot der Menschlichkeit sein, jedes menschliche Leben auf der Welt immer nach denselben Regeln und mit demselben Aufwand zu schützen? Wenn hier ein Umdenken stattfinden würde, hätte die Corona-Krise wenigstens auch einen positiven Aspekt. Dies wird aber aller Voraussicht nach ein unerfüllter Wunsch meinerseits bleiben.

Leserbriefe

Hölderlinhaus und andere Kostenspiralen

Joachim Lewinsky, NT-Zizishausen. Zum Artikel „Hölderlinhaus: Kostenspirale dreht sich“ vom 28. Juli. Ich sagte mal so ganz nebenbei zu einem Architekten: „Ich glaube, Architekten können vielleicht nicht rechnen.“ Er schaute mich an und gab mir spontan die Antwort: „Das glaube ich auch“.

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