Schwerpunkte

Leserbriefe

Corona: Diskussion und Toleranz

16.05.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Christian Rau, Nürtingen. Was freue ich mich am Samstag früh immer auf die Leserbriefseite der Nürtinger Zeitung, für die ich mir bei einem guten Kaffee auch ausreichend Zeit nehme. Und gerade jetzt haben wir mit der Corona-Pandemie wieder ein Thema, was eine Vielzahl von Meinungen provoziert. Von „Es ist doch bloß eine Grippe!“ bis „Der Untergang der westlichen Zivilisation steht unmittelbar bevor!“ ist alles vertreten. Nun ja, in den Leserbriefen sind es meist radikalere Ansichten, aber gerade dadurch hochinteressant. Für mich selber stellen sich Fragen wie: „Ist das Treten gegen einen Lederball – auch wenn es um Millionen oder gar Milliarden Euro für wenige Spieler und Manager geht – wichtiger als das Personal in Krankenhäusern und Pflegeheimen?“ Denn hier gibt es bestimmt auch Menschen mit Namen wie Neuer, Müller, Sané oder Ronaldo, die nicht Millionen und Abermillionen für wenige Minuten Einsatz „verdienen“, sondern sich rund um die Uhr in Schichtarbeit mit Hingabe und häufig in Teilzeit um kranke und pflegebedürftige Menschen kümmern.

Streitet man jetzt tatsächlich, wer die versprochenen 1500 Euro Bonusprämie zahlen soll? Was würde denn ein Profi-Fußballer für diesen Betrag machen? Und: Warum sind gerade Personen, die politisch eher in der Mitte und rechts davon stehen, überzeugt, dass die Wirtschaft wieder „brummen“ muss, auch wenn damit einige alte oder kranke Menschen mehr am Virus sterben sollten? Hatten denn nicht die gleichen Personen erst kurz davor unser Land als „rein christlich orientiert“ deklariert? Wo bleiben dann hier die christlichen Werte?

Etwas habe ich aber verstanden: Weder die intelligentesten Wissenschaftler noch Simulationen der besten Computersysteme und schon gar nicht die Trumps und Bolsonaros dieser Welt wissen, wie es mit der Pandemie weitergeht. Kommt eine zweite oder gar dritte Welle? Wird diese noch schlimmer und damit härtere Einschränkungen notwendig machen? Oder haben wir schnell ein Impfmittel und damit das Virus im Griff? Und da es wohl keiner wirklich weiß, soll und muss sich jeder seine eigene Meinung dazu bilden. Und ich würde mich noch viel mehr auf die Leserbriefseite freuen, wenn auch die Meinung eines anderen toleriert werden würde, sei sie auch radikal und abweichend von der eigenen. Wenn wir in und nach dieser Krise ein wenig mehr Toleranz und Hilfsbereitschaft an den Tag legen würden, ja dann hätte Corona – bei allem Leid und Kummer durch diese Krankheit – auch ein klein wenig Gutes bewirkt.

Leserbriefe

Von der Kirche im Stich gelassen

Eugen Wahl, Nürtingen. Zum Artikel „Als ,Friedenshetzer‘ verfemt“ vom 23. Mai. Hermann Umfrid – Sohn des „Friedenshetzers“: Ein ähnliches Schicksal wie das des als „Friedenshetzer“ diffamierten Otto Umfrid musste dessen Sohn Hermann (1892-1934) als Pfarrer im hohenlohischen Niederstetten…

Weiterlesen

Weitere Leserbriefe Alle Leserbriefe